PETER BERLINGS DICKER BROCKEN

Fassbinder-Star stellte seine Lebensgeschichte vor – wie alle seine Werke , wurde es ein dicker Wälzer. er lebt in Rom, träumt viel von München und manchmal schläft sogar eine Bella in seinem Bett, die er nicht anrührt.

 

MÜNCHEN -   Schumann’s Tagescafe, wo der Gast von den unglaublichen Launen des Wirts relativ verschont bleibt, nach denen  das sado-masochistische  Publikum aber  in der Haupt-Bar lechzt, wählte Verleger Günter Berg („Hoffmann und Campe“) als ebenbürtigen Party-Schauplatz aus, um  den dicken Wälzer  „Hazard & Lieblos“, 669 Seiten, 29 Euro, vorzustellen. Er stammt aus der Edel-Feder von Peter Berling, einer personifizierten Gemütlichkeit, dem Koloss von Rom. Als Fassbinder-Akteur in acht Filmen , darunter  „Die Ehe der Maria Braun“, ist Berling bekannt geworden und als Dauer-Protagonist  des  „dctp“-Feigenblatts im Privat-Fernsehen von Regisseur Alexander Kluge, (womit dieser reicher wurde als mit seinen Filmen),  sowie als Schreiber von 18 Geschichtsbüchern, darunter „Die Kinder des Gral“, keines unter  600 Seiten.

P„München war für Berling genau der richtige Ort. Rom wäre zu aufwendig geworden“, sagte Bücher-Bonaparte Berg, dessen Literatur-Unternehmen zu  Kurt Ganskes inzwischen seit 1781 bestehenden  Imperium gehört, das schon Heinrich Heine verlegt hat. Laut Peter soll  auch Goethe dort gedruckt haben. Der früher in Schwabing lebende und Wahnmoching  verunsichernde Berling („ Ein hart erkämpfter Ruf: Wer nicht bis drei auf dem Baum ist …“ ) saß gleich am Eingang, sah neben Otfried Fischer gleich viel dünner aus und trug einen mausgrauen unter Denkmalschutz stehenden Borsalino-Hut, der geschickt Haar-Konzentration- und Behandlung kaschieren kann .  Die „Schumann“-Baristi  servierten flott  Weißwein und Bier, Tatar-Brötchen, Nürnberger Bratwürstl“,  Schinken- und Käsebrote an Alexander Kluge oder die Getty-Witwe Gisela und Schwester Jutta, während die ranke Aneke Kina Schwabe Kostproben aus  dem Buch vorlas, das Berling „erstmals ohne Vertrag „ geschrieben und  dafür zwei Jahre akriesche Arbeit benötigt hat.

Es ist eine Mischung aus Roman und  Biographie,  was ihm die Profi-Bücher-Welt nicht zugetraut hat. Michael Krüger vom Hansa- Verlag las das Manuskript vorher und sandte es entsetzt  mit verachtenden Worten zurück, schickte aber eine Kopie an „Hoffmann und Campe“. Das war sein Fehler. Dort signalisierte man Peter Berling,  der eine Dachterrasse in Trastevere mit Blick auf Piazza Santa Maria nahezu postwendend:“ Wir machen das Buch“.  Liebschaften kommen nicht vor, auch dass er mal ein halbes Jahr mit Hanna Schygulla verbandelt war, ist bei beiden aus der Erlebnis-Phase gestrichen. Von Kumpel Gisela Hahn, die ewig Blonde aus dem ewigen Rom, die wieder in München heimisch wurde und einmal zehn Stunden lang mit dem bereits in die ewigen Jagdgründe Manitus  gegangenen Kabarettisten Horst Jüssen verlobt war, notierte Berling  deren bis zur Stunde andauernden Spiellust und Leidenschaft.

Der heute väterliche Peter genießt bei den Frauen größtes Vertrauen, weil er wohl auch etwas zahm geworden ist. Beim 80. Geburtstag von Mario Adorf in St. Tropez  sah ich ihn als Zimmernachbar mit der ungewöhnlich hübschen Julia, Tochter seines Managers. Es waren wohl alle Hotels ausgebucht, denn  das Ausnahme-Beauty, dem der liebe Gott die süßesten Früchte  geschenkt hat,  teilte das Kingsize-Bett  und  nur das Schnarchen mit Berling.  Bei so viel naheliegender Reizfläche wäre das früher eine Tantalus-Qual gewesen.

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