WILDMOSER, DER EWIGE SECHZIGER

Donisl-Wirt und Ex-Präsident Karl-Heinz bleibt den Münchner Löwen als größter Dompteur des Münchner Fussball-Clubs in Erinnerung.


MÜNCHEN Karl-Heinz Wildmoser war ein stiller Partylöwe mit eingezogenen
Krallen. Wenn der Donisl-Wirt allerdings sein Münchner
Weltstadt-Restaurant betrat, zuckten die  Mitarbeiter zusammen. Die
Strahlkraft seiner Respektsperson spürten auch Journalisten, die nicht
mit ihm auf einer Augenhöhe waren.  Karl –Heinz , löwenäugig mit roter
Mähne, spielte auf gesellschaftlichem Parkett den Ball  immer flach.

Nach dem Glamour-Präsidenten Karl Heckl  war er  wieder der erste
männliche Löwen-Bändiger, ein Mannschaftsführer mit breiten Schultern.
Der  Mann mit  kräftiger Stimme und  festem Händedruck, der die 60er
aus der femininen Knechtschaft  von Oberturnerin, „ Frau Klimmzug „
Lilo Knecht, befreite, zählte zur Münchner A-Liste und  galt als gern
gesehener  Gast. Stets perfekt im Anzug mit Schlips oder in bayrischer
Tracht erschien  der  Großgastronom, die Hände mit Ringen geschmückt,
darunter der Siegelring von Steinzeit-Löwe Adalbert Wetzel,  außerhalb seines
Imperiums   gezielt  in ganz bestimmten  Lokalen. Ende der 90er Jahre
schlug er viermal die  Woche , wie auch sein Sohn Heinz, im „Tiger’s“
auf, einer kleinen pfiffigen Bar, unweit der  Delikatessen-Oase
„Dallmayr“. Beide Ur-Löwen fuhren,  jeder getrennt in seinem Mercedes
Cabrio 500 SL vor.  In dem florierenden  Nightspot  verkehrten
Feinkost-Prinz Michael Käfer, „Dürnbräu- und „Lenbach“-Wirt Peter
Schmuck und sein Bruder Franz, viel Schwabinger  Jeunesse doree  sowie
Star-Fotograf Roger Fritz mit  Lebensgefährtin Margit Friedrich ,
Prinz Franz von Auersperg, die Flick-Töchter  und manchmal auch
Underground-Regisseur Klaus Lemke..

Mit Tiger und Tigerin, den Clubbetreibern Hansi und Inge Grandl, die
einst das „P1“ „in“ gemacht hatten, freundete sich Wildmoser  schnell
an. Mit Inge, weil sie damals so feuerrote Haare trug wie er, und mit
Hansi, dem 60er-Fan  mit Fußball-Hirn. Im „Tiger’s“ tütete Karl-Heinz
in einem  der geschichtsträchtigen Momente des nächtlichen
Etablissements  zum Beispiel den Spieler-Transfer Paul Agostino ein.
Der Star-Kicker und sein Berater saßen da und man feierte mit
autofahrerfreundlichen Getränken. Der Ober-Löwe trank immer einen
alkoholfreien Cocktail aus  vier roten Säften, der durch Zufall beim
Probe-Mixen von Daniel und Dominique, Sohn und Tochter Grandls,
entstanden war.  Manchmal kam mit Wildmoser sein  Vize und
Schatzmeister, der Sieber Kurti und der Couch Werner Lorant mit . Es
war das    glorreiche Trio, dem mit einem Rutsch das Comeback der
„Löwen“ in die Bundesliga gelang.

Karl-Heinz  fühlte sich in der Mondschein-Adresse  so geborgen, dass
er eines Tages  Club-Chef Hansi seine persönliche  Stadion-Ehrenkarte
schenkte und ihn während der Halbzeitpause im „Präsidentenstüberl“
höchst persönlich bediente. Nur einmal musste Grandl den  VIP-Platz
räumen, sonst hätte er bei einem Derby von 1860 und Bayern zwischen
den Politikern Dr. Edmund Stoiber und Theo Waigel den Ehrenplatz
eingenommen.  Der „Löwen“-Präsident ging auch  gern ins „Pascha“ und
in den Münchner Schlachthof-Geheimtip „Barisphäre“ , wo sich Simone
Kahn die Seele streicheln ließ, nachdem ihr Mann, Torhüter Oliver
Kahn, abspenstig geworden war. Zielort war manchmal  der
“Palmengarten” in Nymphenburg, wenn es ganz diskret zugehen sollte.
Man sah ihn stets Kette rauchen. Was sage ich Kette: Nonstop glühte
der Glimmstengel. Früher war es „Krone“, bis zuletzt „Marlboro light“.
Zu seinen Glanzzeiten hatten sich die Menschen noch nicht das
künstliche Problem  Rauchverbot ausgedacht. Beim Ausgehen  achtete der
erfahrene Präse streng auf die Etikette  und den Status eines
verheirateten Mannes. Oder er ließ sich,  nach der Devise von Franz
Josef Strauß, der auch immer für guten Blutdruck sorgte, nicht
erwischen.

Große Medien-Präsenz gab es  zu Wildmosers 60. Geburtstag, der im
Münchner Rathaus zelebriert wurde. Zehn Jahre später kochte er seinen
Runden auf kleinerer Flamme. Mit fünf befreundeten Gastronomen  ließ
Karl-Heinz, der viele Jahre die Hacker-Pschorr-Gaststätte  auf der
Theresienhöhe betrieb, wo er auch das kleine Wiesn-Hotel „Krone“
besaß, die Gläser auf einem Starnberger-See-Schiff klingen. Er blieb
standhaft  bei  Cola light, konsumierte wie immer viel Kaffee.

Zu seinen Leibspeisen zählten  Enten- und Schweinsbraten. Suppen
trank  er  am liebsten aus einem Glas. Auf seine alten Tage wurde
Karl-Heinz  seiner Lieblingsmarke Mercedes untreu und stieg auf „Audi
A 8“ um, den er bis ans Ende seiner Tage fuhr.  Zuletzt traf ich
Wildmoser  an einem lauen Abend  auf dem Oktoberfest im letzten Jahr.
Er bahnte sich von seiner Hühner- und Entenbraterei  einen Weg durch
die Masse.. „Servus, Michi , wie geht’s“, sagte er und drückte mir die
Hand,  fest wie ein Maurerpolier. Wildmoser starb im Sommer 2010. Am 4. August wurde er beerdigt.

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