STREIT AUF DER GOLDENEN HÄNDLER-MEILE

Die Gemütlichkeit auf dem Viktualienmarkt, dem “Bauch von München”,  ist vorerst dahin. Die Marktfrauen fühlen sich bevormundet. Zum ersten Mal gab es Händler-Versammlung.



MÜNCHEN – Auf dem Viktualienmarkt rumort es mehr als zunächst
angenommen. Riesen-Streit an Münchens goldener Händler-Meile, die umgebaut werden und zu den “Olympischen Spielen” – daran glauben die Funktionäre der Stadt überoptimistisch – fertiggestellt werden soll. Namhafte Gäste des „Cafe Nymphenburg Sekt“, darunter renommierte
Münchner Geschäftsleute,  wollen an der bisherigen Pächter-Familie
Glöckle festhalten  und haben erbost eine Unterschriften-Aktion
eingeleitet, weil ihnen nach 10 Jahren der Vertrag nicht mehr verlängert wird.

Gestern  gab  das Münchner Schaumwein-Unternehmen Nymphenburg, das vor
geraumer Zeit von der „Sektkellerei Wachenheim“ geschluckt wurde, die
neuen Pächter des Sekt-Salons auf dem Viktualienmarkt bekannt. Im
wahrsten Sinne   – Prosit -  Newcomer auf dem Münchner Gastro-Parkett:
Florian Lechner, der  das Landhotel Moarwirt in Hechenberg bei Bad
Tölz betreibt, und Antja Augstburger, bisher für das Marketing der
Sektkellerei Nymphenburg zuständig und einen sehr guten Einfluß zur Geschäftsleitung hat. Ob der Sekt-Salon unter der neuen Führung genau so erfolgreich läuft, wird sich schnell zeigen. Vor Glöckle hatte das Lokal auch schon schlechte Phasen in Kauf nehmen müssen.

Einen Pächterwechsel  hatte sich intern Rainer Hechinger, oberster
Controlletti  der Münchner Märkte , gewünscht  und Dr. Wilhelm Seiler
aus der Geschäftsführung des Sekt-Unternehmens ins Gebet genommen.
Hanns-Werner Glöckle war  dem städtischen Werksleiter Nr. 2, nach
Kommunalreferentin Gabriele Friderich, wohl etwas unbequem geworden. Glöckle
hat sich als mannhafter Funktionär der  „Interessengemeinschaft
Viktualienmarkt“  einen Namen gemacht,  Rainer Hechinger, silberne
Haare, Schnauzer, einen als Behörden-Pate. Der Beamte  gibt sich gern selbstherrlich und äußerte  schon mal kess, dass selbst der OB gerademal Wünsche äußern könne. Nicht ganz klar ist, wie sich der Kontakt zu Metzger Georg Schlagbauer, CSU-Stadtrat, verhält. Der Fleisch-Spezialist  ist selbst  in
einem der Gewölbeläden am Viktualienmarkt präsent und im
Verwaltungsbeirat der Markthallen. Letztere Position ermöglicht ihm
einen Panoramblick in die Umsätze seiner Kollegen.

Ein offizielles Statement der Stadt München zum Fall Glöckle gab
Bernd Plank vom Kommunal-Referat am Telefon:“ Wir waschen unsere Hände in
Unschuld. Zur Kündigung müssen Sie die Sektkellerei  befragen“.
„Nymphenburg“  wollte natürlich  seinen funktionierenden Stand im Herzen der
Stadt  in keinem Fall verlieren und gab nach. Paradox:  Die Glöckles haben
keinerlei silberne Löffel gestohlen, sondern zehn Jahre lang
Bilderbuch-Umsätze eingefahren.

Auch andere Hechinger-Verwebungen  lösen Erstaunen aus. So arbeitete
seine Tochter Niki als Praktikantin bei der Werbeagentur „Die
Prinzregenten“, die im „Fruchthof“ sitzt, der wiederum zum
Marktbereich gehört und ohne Ausschreibung, das ist bei städtischen
Angelegenheiten Pflicht, die 200-Jahr-Feier des Viktualienmarktes
ausrichtete. Der Einsatz schlug mit 50 000 Euro zu Buche.

Don Rainers fleissige Töchter, er hat noch eine zweite,  durften  bei Bella Lerner in der „Kleinsten Gaststätte Münchens“ jobben, der es nicht schwer gefallen sein dürfte,  diese begehrten Quadratmeter zu ergttern.  Das große Wunder: So schnell, da staunten langjährige Standlbesitzer, ist noch keine neue Mitbewerberin auf den Viktualienmarkt gekommen.

Gestern Abend um zehn nach halb acht im Alten Rathaussaal: Nach zäher
Diskussion über die Umbaupläne des Münchner Viktualienmarkts, mit
dem Ziel 2018 rechtzeitig zur “Olympiade” fertig zu werden, so
Immobilien-Häuptling der Stadt Reinhard Oberhauser selbstsicher, wurde
die”Vollversammlung der Standlbesitzer hitzig. Noch bevor über den
beanstandeten Werbetopf, , diskutiert wurde, regten sich die Marktleute über die ominöse Summe von 2380 Euro für die Choreographie des Tanzes  der Marktfrauen am Faschingsdienstag
auf. Hildegard Karnoll, die den folkloristischen Höhepunkt erfunden
hat, tanzte 18 Jahre lang mit: “Wir ham nie was kriagt. Dass man was
bekommt, dagegen hab ich nichts, aber der Betrag von fast
zweieinhalbtausend nur für die Tanzeinstudierung is a Sauerei.”
Gestritten wurde auch wegen des Plakats am Faschingsdienstag, zu dem
keine Marktfrau befragt wurde und auf dem falsche Zeiten gedruckt
sind. Marktsprecherin Christl Hirschauer: “Wir haben ab sieben Uhr auf
und da steht, dass die Gschicht erst um elf beginnt.” Dann wurde heftig
wegen des Werbetopfs (die Standlbesitzer müssen 0,25
Prozent von ihrem Jahresumsatz abführen) diskutiert. Erstmals wurde eine Liste vorgelegt.Mittlerweile geht es um fast 500 000 Euro.

Das Kommunalreferat hatte gestern noch per E-Mail erklärt, dass die Händler bei der Verteilung der – ihrer – Werbegelder keine Mitsprache haben. Das pure Gegenteil liegt als
Stadtratsbeschluss vor. Das Schreiben ist von Bürgermeisterin Ria
Burkei und Kommunalreferentin Gabriele Friderich unterzeichet.

Schnellantwort

Kommentar schreiben