O MEI,MÜNCHEN ALS SCHNARCH-CITY

Nur zum Wochenende kommen Nachtschwärmer auf ihre Kosten. Kein Club hat mehr die ganze Woche geöffnet. Ein Vergleich zwischen den wilden Disco-Zeiten von gestern mit der ausgebremsten Lust von heute.

photo by gabemac (http://www.flickr.com/photos/gabenl)MÜNCHEN – Eine Wolke von Valium scheint in letzter Zeit über München bei Nacht zu schweben. Ein seltsames Phänomen hat sich nämlich in die Weltstadt mit Herz eingeschlichen, das erheblich an der Qualität des weißblauen Schmelzes herumknabbert. Munich by Night ist nicht mehr so sexy
wie es einmal war. Es gibt keine Discos mehr, die immer geöffnet haben. Das registrierten mit Erstaunen Mondschein-Amigos wie Prinz Ernst August von Hannover, Uschi Obermaier, Konstantin Wecker, Günter Netzer, Liana Matthäus, Michael Ballhaus, Stefan Effenberg, Thomas Gottschalk, Cora Schumacher, oder Prinz Franz von Auersperg, die gern in der Stadt ausgehen. Was ist passiert?

Man darf annehmen, dass die Spezie Nachtschwärmer noch nicht ausgestorben ist. Sie sind allerdings ganz unruhig wegen der vielen Ruhetage geworden. Sogar das „P1“ hat sich den dosierten Nahkampf-Zeiten unterworfen. Die anderen führenden Clubs wie das „089“, „Babys“, „Max und Moritz“, „Sugar“, „Bash“, “Pasha“, “8 Seasons“, „Ed Moses“ oder „Retro Maximillians“ haben schon lange auf Schongang, sprich nur mehr die Nächte zum Wochenende, umgestellt. Es erinnert etwas an das Eingehen von Primeln. In den Konkurrenzstädten wie Berlin („Felix“: Mo, Do, Fr, Sa,) und „Puro Lounge“: Di-Sa) sowie Frankfurt („Living“:Mo-Sa) ist dieser Kahlschlag nicht ganz so konsequent vollzogen worden. Aber auch in Hamburg, wo die Nächte bekanntlich lang sind, florieren die Discos („Golden Cut“, sehr großer Girlie-Überschuss) nur mehr als Weekend-Business.

Das nächtliche Einbremsen in München, wo es auch immer weniger Filmpremieren und Bälle gibt, erklärt sich Nacht-Neurotiker Roman Libbertz, der das „Prive“ erfunden hat und dessen melancholische Cocker-Spaniel- Augen Münchens Mädchenherzen, Maria Riech incl, weichschauten, so.: „ Früher gab es weniger Clubs und die waren alle voll und heute haben die Leute auch weniger Geld fürs Ausgehen übrig“. Ich glaube aber, dass sich die Disco-Unternehmer aus reinen Personalgründen mit den übersichtlichen Öffnungszeiten angefreundet haben. Unter der Woche ist München eine Schnarch-City geworden. Die Nacht-Regenten von gestern hießen Brigitte Stock, Edith Schmid, Sergio Cosmai, Kurti Müller, Thommy Hörbiger, Peps Kommer und Langläufer Michi Käfer und ihre Dancings wie das „Why not“, „Eastside“, „Sugar Shake“, „Nachtcafe“, „Wiener PB“ und „P1“ waren ohne Frage sieben Nächte offen.

Aus der Nachtszene stammen somit auch die neuen Restaurant-Betreiber, die jetzt im Tagesgeschäft immer mehr mitmischen wollen. Sie versuchen mit „frischem Blut“ einige traditionsreiche Lokale wie das „Künstlerhaus“ wiederzubeleben, das allerdings seit dem Comeback als kombiniertes Steak- und Vegetarier-Oase unter Künstlerpech leidet. Ein Jammer ist es auch, dass die herrliche Sonnenterrasse, die der Fleisch-Abteilung im ersten Stock zugeordnet ist, nie zu vollen Ehren kommen wird, weil das Steaklokal erst gegen 18 Uhr öffnet und sich da die Sonne bekanntlich schon wieder verabschiedet. Die Bestuhlung im “Farm”-Breich sieht aus, als ob die Bestuhlung sicher noch kommt.

Die konträren Zielgruppen unter ein Dach zu locken geht wohl gar nicht. An der Spitze steht Michi Kern, ein selbsternannter Yoga-Guru, der mit einem ganzen Schwung mitbesitzender BWL-Gastronomen fast ein Dutzend Lokale betreibt, dass man vor lauter Teilhabern und Querverbindungen mit anderen Restaurants kaum den eigentlichen Wirt erkennt und sich auch kaum vorstellen kann, wie die vielen Köche den Brei aufteilen. Mit keinem so immensen Besitzer-Wirrwarr betreiben die neuen Szene-Gastronomen Rudi Kull und Albert Weinzierl ihr Speisen-Trinken-und Schlafen-Imperium in Münchens City und Schwabing. Mit dem „Brenners“ in einem Rückgebäude in der Maximiliansstrasse, wegen der Größe ein mutiges Wagnis, gelang ihnen ein Burner und auch die anderen Etablissements florieren, dass die alteingesessene Gastronomie Münchens ins Staunen geraten ist. Nur bei der Lobby ihres neuen Hotels „Louis“ am Viktualienmarkt, wo statt des erwartenden Entrees immer noch ein emsiges Versteigerungshaus agiert, haben Kull und Co, sonst so innovativ, etwas daneben gegriffen: Das Sperrholz-Design mit den Baumstumpf-Tischen, bei denen man unwillkürlich nach einem Beil verlangt, sieht aus wie ein frühes Ikea in der Zerreissprobe.

Kommentare (5) zu “O MEI,MÜNCHEN ALS SCHNARCH-CITY”

  1. Chris sagt:

    Früher gab es genauso viele clubs wie heute, und leute mit geld gibt es heute auch noch, da hat libberts nicht recht. sehr wohl fehlen die persönlichkeiten und das aussergewöhnliche, auch tragen internet / handy und ödes 24 stunden fernsehen mit zig programmen dazu bei das die city schnarcht und man lieber über facebook chattet, es ist alles ziemlich gleich geworden, die klassische 70ies disco area sowie die 80ies wave & pop phase mündeten bereits in den 90igern in ein langweiliges hin und her, schade eigentlich, aber münchen wird leider keiner mehr so schnell aufwecken,

  2. jürgen sagt:

    ja so wars
    habe selbst im cin cin gearbeitet war eine schöne zeit heute nur noch langweilig
    aber es ist nun mal 40 Jahre her

  3. Karin sagt:

    Ich war im Cin Cin dauerhafter Stammgast *ggg*.. das war 1983 und es gab auch tolle Events…Eine schöne Zeit damals und Disco von Mo bis So und von 21 h bis 4 h Früh… und dann in die Arbeit.. *seufz*

  4. "D.J.Herby" sagt:

    Hey Jürgen wann warst du genau im Cin Cin, ich hab da mal aufgelegt kurz vor der Olympiade…

    T.Rex, Thousandfingerman, Wilson Pickett, Sam and Dave
    und die ganze “Mowtown Blos.n”

    ..They never come back.

    Gruß Herby

  5. Mariela sagt:

    Hallo Michael,

    ich such schon seit einiger Zeit nach Sergio Cosmai. Haben Sie eine Ahnung, wo Sergio abgeblieben ist??? Das letzte Mal hab ich ihn in Mexico getroffen, aber das ist laaaaange her.
    Ob er noch dort ist, oder in Italien, oder zurück in München…? Würd’ mich echt gern mal wieder mit ihm unterhalten und über Internet hab ich ihn jetzt leider nicht ausfindig gemacht… wobei Sergio auch nicht der Typ für’s Internet ist.

    Falls Sie mir da weiter helfen könnten, wäre ich Ihnen sehr dankbar.

    Mfg
    die Mariela

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