Tracy, Tochter des tödlich verunglückten Musik-Managers Lüftner, sträubt sich gegen eine Versteigerung der Habseligkeiten. Sie möchte die Andenken an ihren bekannten Vater behalten.
MÜNCHEN – Es ist merkwürdig, ich fühle mich für einen kurzen Moment bei Monti
zu Hause, in seiner patentierten Junggesellen-Wohnung im Herzogpark,
und bin es natürlich nicht. Es gibt Champagner, wie meist bei
Musik-Manager Lüftner, und Gerd, der Ur-Käfer, gedresst im
eigenen Design, sanfter Military-Look, arrangiert das Catering, wie
früher, aber wesentlich bescheidener.
Ich stehe nicht in seinem Appartement in der Mauerkircherstraße, sondern
im Showroom, der Dependance des Münchner Auktionshauses Neumeister
in der Gabelsbergerstraße, gegenüber der „Pinakothek der Moderne“.
Dort führt ein 20 Meter langer roter Teppich in den Räumlichkeiten
zur Vorbesichtigung der „Sonderauktion Nachlass Monti Lüftner“, einer
Sammlung, die ohnehin Sonderbehandlung benötigt. Kunstsinnige werden
kaum was finden, es handelt sich mehr um eine Art
Hausrats-Versteigerung de Luxe. Auktions-Chefin Katrin Stoll, Tochter
des Versteigerungsfuchses Rudolf Neumeister, der mit Ex-Sheriff Dr.
Manfred Schreiber hereinkommt, läßt ihren ganzen Charme sprühen.
Mich wundert der ganze Vorgang. Ich kenne Monti seit den sechziger
Jahren und er hat in all den Jahren oft damit kokettiert , wen er,
der eingefleischte Single, bei dem die Damen zwar übernachten, aber
nie einziehen durften, gerne zum Erben einsetzt. Mal war es eine
Freundin, mal ein Tennislehrer, mal eine Köchin. Elvira Zöbisch galt
mal als Kandidatin, fiel aber wieder durch den Raster. Sie konnte so
traumhaft gut kochen, dass ich die wöchentlich regelmässigen
Mittagsessen bei Monti daheim allein schon wegen Frau Zöbisch
wahrgenommen habe, die sich Beinfleisch und saftige New York-Steaks,
beste Qualität, bei Metzgerin Heller in der Montgelasstraße
reservieren ließ. Mir läuft heute noch das Mundwasser zusammen, wenn
ich an ihre Salate, Knödel und Suppen denke.
Dass der Bonvivant Lüftner, der sich nach außen hin generös zeigte,
aber schon auf den Pfennig schaute, seine Trophäen-Sammlung, Goldenen
Schallplatten, Souvenirs und ein paar englische Möbelstücke, Lithos
von Hundertwasser und Fuchs sowie ein Orignal von Waske,englische
Teekannen und seine Armbanduhren „versilbern“ lassen wollte, wie es
angeblich in einem der vielen Testamente geschrieben sein soll, geht
mir nicht in den Kopf. Es war nicht die Gangart des geschmeidigen
Österreichers, der zu Beginn seiner Ariola-Karriere wegen seines
Aussehens oft mit Schlagerstar Peter Alexander verwechselt wurde. Am
großzügisten belohnte er wohl seinen Advokaten Hermann Messmer, der ihn zum Nulltarif beriet. Monti schenkte ihm einmal zwei Tennisschläger schenkte.
Tracy, seine später ins Herz geschlossene Tochter, hätte sich mehr
gefreut über ein paar ganz spezielle Andenken ihres Vaters, als das
kleine Geld, das die Auktion einbringen wird. Sie wird ohnehin ein
paar Millionen erben, aus Montis Anlagen mit Aktien, Fonds und
Beteiligungen. Bei der Vorbesichtigung erstaunt mich auch, in
welchem zerschlissenen Zustand die englischen Stühle seines
Ess-Zimmers sind. Seine Couch, auf der schon mal Mireille Mathieu
und ihr Manger Johnny Stark eine ganze Nacht wie ein Ehepaar gefeiert
hatten , habe ich nicht entdeckt. Ebenso wenig sein breites Bett. Nur
der mannshohe Spiegel, der immer im Schlafzimmer stand und raffiniert
verstellbar war, zählt zu den Monti-Habseligkeiten, die jetzt unter
den Hammer kommen.
Wo aber sind seine zwei Autos, eine Mercedes-Limousine und ein
Benz-Cabrio und wo ist das Motorboot, mit dem er den Wörther See (bei
den Ladies) unsicher machte – und nicht zuletzt meine kleine
Silber-Eule, die ich vor Jahrzehnten Monti geschenkt hatte und die
immer auf der Anrichte am Eingang stand. Eine Eule aus purem Silber,
1Kilo schwer und laut heutigem Tagespreis für Silber 400 Euro wert.Sie
sollte ihm Glück und Weisheit bringen.



