MEDIENPREIS FÜR MERKEL – WARUM?

Die Bundeskanzlerin könnte sich eine Jagd auf Steuer-Sünder sparen, wenn sie die Fiskus-Regelung vereinfachen würde – wie sie mal mit Experte Paul Kirchhof versprochen, aber nicht eingehalten hat.

BADEN BADEN/MÜNCHEN – Mit Auszeichnungen sich besser zu fühlen ist auch in hierzulande eine gesunde Krankheit. Zwei Preise stehen wieder an, der „Deutsche Medienpreis“ (9.Februar) in Baden Baden und die „Friedensmedaille“ (am Samstag) in München, die in erster Linie die Funktion haben, den Vergabe-Initiator selbst beleuchten.

Beim „Medienpreis“ ist es Reiseunternehmer Karlheinz Kögel, der lange Zeit von seinem Amigo Matthias Kleinert, Liebling des früheren Mercedes-Vorstandsvorsitzenden Edzard Reuter, die nötigen Daimler-Mittel bekam, um die Show im Bade-Ort zu finanzieren. So gesichert wurde der Preis, den Kögel ganz allein erfunden hat, ein Selbstläufer. Die Auszeichnung 2oo9 laut eigner Website (muss sicherlich 2010 heissen, weil der Preisträger 2009 Dalai Lama heißt) wird an Bundeskanzlerin Angela Merkel vergeben. Mit Verlaub gesagt besteht bei ihr derzeit kein Motiv für einen Preis. Die CDU-Chefin ruft gerade zur Jagd auf Steuersünder auf und billigt eine Straftat, um an eine neue, berüchtigte CD zu gelangen. Würde es in Deutschland eine andere Steuer-Regelung geben, nämlich die von ihr zusammen mit Finanz-Superexperte Paul Kirchhof versprochenen 25 Prozent, die jeder Bundesbürger zahlt, gäbe es keine Steuerhinterziehung mehr und Deutschland wäre wieder das Land, wo man sicher das Geld anlegt.

Die andere Auszeichnung, der „Friedenspreis“, der anläßlich der „Münchner Sicherheitskonferenz“ im Hotel „Bayerischer Hof“ vergeben wird, ist in „Ewald von Kleist Award“ umbenannt worden. Das war eine der ersten Veränderungen des mediensüchtigen Cheforganisators Wolfgang Ischinger, Nachfolger von Prof. Dr. Horst Teltschik. Witzigerweise erhält die von Hofjuwelier Max Heiden kreierte Medaille diesmal wieder der spanische Politiker Javier Solana de Madariaga, der diesen Sicherheitspreis bereits vor zwei Jahren bekam. MP Horst Seehofer überreicht sie ihm in der Münchner Residenz, wo übrigens am 12. Februar Großverleger Dr. Hubert Burda seinen 70. Geburtstag feiert.

Sinnvoll wäre es, wenn man dieses spektakuläre Meeting nicht in der Münchner Innenstadt, sondern in einem Hotel außerhalb ohne Terminangabe abhalten würde. Dies spart Geld. Es gäbe keine Demonstrationen und die Polizei hätte ihren Frieden. Der Münchner Anwalt Dr. Wolfgang Seybold, der sich bei Beerdigungen bekannter Größen dienlich gemacht hat, veranstaltet auch diesmal wieder eine Party mit Prominenten und vielen Medienvertretern bei Käfer mit US- Wehr-Experten. Für den Juristen ist es der Tag des Jahres.

Der Standort „Bayerischer Hof“ wurde nicht deshalb schon vor Jahrzehnten für die “Sicherheitskonferenz” ausgesucht, weil das Haus so einen hohen Sicherheitsstandard bietet. Nein, die Amerikaner fühlten sich in den 60er-Jahren von einer ganz speziellen Veranstaltung angezogen: dem Faschingsball “Carneval in Rio”. oooo

Der kürzeste Witz: Ein Journalist geht an einem Lokal – vorbei. Früher war es mal in München das Cafe „Ganz Privat“, gleich neben der AZ, als das weißblaue Zeitungs-Herz von Redaktion und Druckerei noch in der Sendlingerstrasse schlug. In diesem Journalisten-Wohnzimmer der Urzeit saßen die Schreiber und Fotografen ohne auf die Uhr zu schauen. Weil dort immer noch alle, jenseits jeglicher Betriebsratszeiten, den Heimweg hinauszögerten, gelang der Abendzeitung vor Jahrzehnten zum Beispiel der große Scoop jenes grandiosen 12-Seiten-Extrablatts, als John F. Kenndey ermordet wurde. „The president is dead“, tönte es aus dem Radio-Lautsprecher. Es lief uns kalt über den Rücken und wir schossen aus dem Cafe hinauf zu unseren Schreitischen und schrieben alles nieder, was der AFN, unser einziger „Informant“, zu berichten hatte.

Jetzt, an der neuen AZ-Adresse am Rundfunkplatz, floriert seit ein paar Monaten wieder ein Lokal, das „Salt“, an dem man auch nicht vorbeigehen kann. Als Reporter schon gar nicht. Die Medien-Indianer von BR und AZ sitzen dort gern, erstens, weil das Essen exzellent ist und zweitens eignet es sich bequem für ein Interview und drittens schneien dort immer mehr namhafte Zeitgenossen herein. Prominente Mitbürger sitzen da wie unvermutet. Ein Damentröster wie Karel Gott, ein genialer Bad Boy wie Pete Doherty (damals mit seiner Flamme, Milionen-Erbin Robin Whitehead, die gerade an einer Drogen-Überdosis gestorben ist) und zuletzt ein Star-Kicker wie Bastian Schweinsteiger. Ich entdeckte ihn auf der kleinen Beletage des Lokals, als ich kurz vor Mitternacht nach der Redaktion noch auf einen Absacker ins „Salt“ ging. Schweini speiste mit seiner attraktiven Freundin Sarah und einem halben Dutzend Freunden, und war putzvergnügt. Man staune: Er trank Kir Royal (Champagner mit Cassis, von Bartenderin Kate professionell zusammengefügt) und ich darf bescheinigen, der FC-Bayern-Hero hat Geschmack. Als Schweinsteiger das Restaurant verließ und sich mit seiner blonden Freundin mit einem Taxi nach Hause ins angesagte Viertel Isarvorstadt/Glockenbach fahren ließ, hätte ihn weder ein Fan noch ein Papparazzo erkannt. Wegen der Kälte wickelte der Fußballer seinen grauen Schal um den ganzen Kopf und ließ nur einen Sehschlitz für die Augen frei.

Beim Rausgehen ins verschneite München lief mir Journalistin Dagmar von Taube über den Weg, die in Berlin bei Springer arbeitet und ganz verliebt ist in die deutsche Bundeshauptstadt. Deshalb hat sie den großen Fotoband „Berlin now“ herausgebracht, in dem eine Berliner Gesellschaft sich widerspiegelt, in Restaurants, Bars und Clubs und bei Partys einer Verlegerwitwe und einer blaublütigen Anstandsdame.Fast hätte man schon befürchten können, die Stadt, wo U-Bahnen wegen fehlendem Gleisanschluß per Krahn auf die Schienen gehoben werden mussten, hat keine und besteht nur aus verstreuten Bau-Denkmälern internationaler Architekten. Dagmar griff ein und garantiert mit ihrem 264-Seiten dicken Buch im Magazin-Format, dass auch Berlin leuchtet. Aber natürlich bei weitem nicht so wie München, der Diva unter den deutschen Großstädten.

Kommentare (2) zu “MEDIENPREIS FÜR MERKEL – WARUM?”

  1. Thomas Schweiger sagt:

    Ihre kommentare,recherchen und news sind spitze !!!!!!
    Gründen Sie eine neue Partei.

  2. mida sagt:

    Vollkommen Deiner Meinung! Nicht umsonst ist die schwarz-gelbe Regierung um 8 Prozentpunkte hinter die Opposition gerutscht. Dennoch, was
    hätte die SPD und alle anderen gemacht? Das Gleiche! Die augenblickliche Regierung ist nichts anderes als eine Muppet-Show! Und ge-
    fährlich dazu. Sie verbündet sich mit Kriminellen und muntert immer wieder weitere
    Gangster auf.

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