Die Berlinale wird von Jahr zu Jahr besser und glänzt mit einem Star-Aufgebot wie der konkurrierende Festspiel-Ort Cannes. Berlin hat den Nachteil, dass es kälter ist.
BERLIN - Das verschneite Berlin hat sich zur 60. Berlinale new-yorkisch
gekleidet. Die Hochhaus-Fassaden zieren überirdischgroße Konterfeis
bildhübscher Damen wie Penelope Cruz, Linda Evangelista oder Eve
Longoria. Sie können aber natürlich wieder nicht ungestört das
City-Aussehen verschönern, weil sich bereits Kleingeister der
Großstadt darüber mokieren. Natürlich verströmen die leibhaften
Leinwandgrößen den weltstädtischen Stardust, dass man als Gast aus
München fast eifersüchtig werden kann. Nur ein paar der großen Namen:
Liam Neeson, Catherine Deneuve, Renee Zellweger, Christopfer Lee,
Mario Adorf. Allein Leonardo DiCaprio verwandelt Berlin für ein paar
Stunden in ein bisschen Hollywood.
Der Lieblingsschauspieler von Meisterregisseur Martin Scorsese ist mir
rein zufällig in die Hände gelaufen, als er mit Mama in der
Friedrichstrasse aus dem Taxi stieg. Es muss wohl ein ganz privater
Trip gewesen sein, ohne VIP-Shuttle, jene Limousinen der
Festspielleitung, die den prominenten Gästen rund um die Uhr zur
Verfügung stehen. Leo hat das Lächeln aufgesetzt, dass Mädchenherzen
schmelzen läßt und vielleicht auch den Schnee von Berlin. Er deutet
auf Mama, hüpft über einen Schneehügel und dann sind beide im
Verkehrsgetümmel verschwunden, anonym wie du und ich.
Offiziell taucht erst wieder auf der Benefiz-Gala „Cinema für Peace“ auf. Mit Freundin
Bar Refaeli und Frau Mama. Die Berliner Ortspresse blickt das Paar bar jeder Vernunft
verliebter an als es selbst wohl ist und fühlt bereits die
bevorstehende Verlobung. Dafür hätte Leonardo nicht nach Berlin jetten
müssen. Er zog die männerfreundschaftlichen Gespräche mit seinem
Mentor und Createur Scorsese vor. Das Paar erinnert ein wenig an die
Beziehung Helmut Berger und Star-Regisseur Visconti. Jedenfalls plagen
DiCaprio nicht so fürchterliche Umweltkrankheiten wie sie
Mädchenschwarm-Kollege Robert Pattinson („Twilight“) zu plagen
scheinen, der öffentlich erklärt hat, eine Vagina-Allergie zu haben.
Er kann einem leidtun.
Seine Katzen-Phobie ist jedenfalls Gesprächsstoff wie auch die
familiäre Veränderung des Schweizer Ex-Botschafters Thomas Borer, der
zum Valentinstag die Scheidungspapiere seiner vampigen Ehefrau Shawne
Fielding zustellen ließ. Das Glamour-Paar gibt es also nicht mehr,
dass in der Botschaft für manche gesellschaftliche Überraschung gut
war. Als Prinz Ferfried von Hohenzollern noch bestens durchblutet und
mit Maja verheiratet war, erlebte das Prinzenpaar , welch spontanes
Temperament der ehemaligen „Miss Texas“ Eigen ist. Als nur ein
wenig in Frage gestellt wurde, ob Fieldings Oberweite getunt sei, hob
sie beweiserheischend vor Ferfried und Maja für Sekunden den Pullover.
Mit Verwandschaft, wie es Leonardo DiCaprio praktizierte, sind zur
Berlinale übrigens mehrere Stars gekommen, so Ex-James Bond Pierce
Brosnan, der im neuen Roman Polanski-Film „Ghostwriter“ den englischen
Poltiker Tony Blair spielt, und Max Raabe. Familie mitgebracht aufs
Fest haben auch Mama Eva Mattes , die mit Sohn Josef gekommen ist und
Corinna Harfouch mit Junior Robert. Mit Theater-Heldin Eva Mattes
besuchte ich 1970 das erste Mal das Berliner Filmfestival und es war
das einzige Mal vor der Wende, das richtig was los war. Michael
Verhoevens Film „o.k“, in dem sie mit Wolfi Fischer und Hartmut Becker
die Hauptrolle spielte, löste großen Wirbel aus. Angeblich hatte ich
Schauspieler Fischer einen dunklen Anzug gekauft, weil er für den Abend
kein passendes Dress besaß. Das behauptete Fischer jedenfalls, als ich
ihn kürzlich in München traf. 1970 war die Zeit, wo für Vietnam
demonstriert wurde. Als dann Vietnam akut wurde, sah man keine
vermeintlichen Helfer mehr.
Die Berlinale, als Berlin noch die Mauer drückte und eine Idylle wie
Bad Wörishofen besaß, rollte später immer sehr brav ab und erst in
den letzten drei Jahren ist das Star-Aufgebot so groß geworden, dass
es mit dem konkurrierenden Festspiel-Ort Cannes mithalten kann. Die
Partys nach den Premieren sind aber längst nicht mehr imposant. Zwei
selbstbewusste No-Names aus München mischten sich unters prominente
Publikum und belästigten den roten Teppich vor dem Festspielhaus. Dort
agierte auch der blasse Komiker Oliver Pocher als Klatsch-Reporterin
Weischenhirn und flog raus. Ich hätte es lieber gehabt, wenn er mir
ein Foto seines Babys gezeigt hätte, damit man sich bei seinem Glück
mitfreuen kann.
Weltstar Danny De Vito, der auch in Berlin über den
Red Carpet defilierte, muss man auch ganz privat große Schauspielkunst
bescheinigen. Als er bei einer Preisverleihung mit einem
„Überraschungsgast“ konfrontiert wurde, weinte er fast. Es war lediglich
Michael Douglas, der mit ihm in der Maschine nach Berlin geflogen war.



