HELMUT DIETL SCHLÄFT GERN MAL IN SEINEM NEUEN BÜRO

Der Star-Regisseur feilt noch immer am neuem “KIR ROYAL”. Endlich steht die Finanzierung und die die schier endlose Geschichte wird 2011 gedreht.


MÜNCHEN -  Es ist zwar nur das Schein-Schwabing, die Max Vorstadt. Aber für einen
Hauch weht in dem abendlichen, warmen Lüftchen  etwas Via Veneto mit.
Zumindest auf dreizehn Metern– so breit ist die Front des „Rossini“ in
der Türkenstraße mit seiner  aus sechs Tischchen bestehenden
Schmalspur-Terrasse. Das Spaghetti-Nest  ist Helmut Dietls
Stammkneipe. Sein Meisterwerk  ”Kir Royal” flimmert gerade auf der
Großleinwand des “Kinos am Olympiasee”.

Unter der dunkelgrünen  Markise  sitzt Helmut  am ersten Tisch zusammen
mit seiner Frau Tamara und sein Blick schweift über die Straße auf die
kunterbunten  Geschäfte , auf den Bücherladen „Zweitausendeins“ mit
schwarz-rot-goldenen Fußballwimpeln, den Mode-Shop „La Bamba“ und auf
den „Asia Feinkost“-Laden. Der Regisseur  wirkt entspannt. Er ist
schlank und gutaussehend, als käme er grade vom Urlaub zurück.  Neben
ihm, zwei Tische weiter, verzehrt  Zahnarzt Abi Fuchs, zu dem alle in
Schwabing laufen,  frische Steinpilze ,und vor ihm parkt gerade  ein
Heilpraktiker ganz sachte seinen froschgrünen Antik-Fiat 500 ein,
während „Rossini“-Wirt Fabrizio rasch ein Radl wegräumt, das  da
querstand, um den Parkplatz freizuhalten.

Helmut zeigt sich ungeheuer diszipliniert. Er speist wie so oft
Vitello Tonnato, danach Nudeln, dazu ein Glas Rotwein. Einen guten
Stoff, für seinen Lieblingsgast macht der “Rossini”-Chef eigens eine
Flasche auf. Der Aschenbecher ist unberührt und wirkt fremdartig. Das
ist es, was fehlt, das typisch Dietlsche, der Rauch. „Ich rauche seit
über zweieinhalb Jahren nicht mehr“, gesteht Dietl, der früher  pro
Tag 100 Gitanes  paffte. „Ich habe das Rauchen durch Tabletten
weggekriegt. Mit einem  Medikament, das  gar nicht dafür gedacht ist.
Es hat mir die Sucht genommen, aber  ich habe noch 2 Jahre lang  an
Zigaretten gedacht“, erklärt er.

Weil wir kurz von längeren Zeiträumen reden  - Dietl benötigt für
seine Filme mindestens fünf Jahre Schaffenszeit – kommen wir natürlich
auf seinen überfälligen Film „Berlin Mitte“ zusprechen, der  im Juni
gedreht werden sollte. „Ich musste verschieben. Jetzt steht aber die
Finanzierung. Von Bayern und Berlin bekam ich die Fördergelder, bei
den Bundesmitteln hat man mich im Stich gelassen. Aber jetzt ist alles
klar. Der Film wird  10,3 Millionen Euro kosten. Wir können nur jetzt
noch nicht loslegen, weil der Hauptdarsteller Michael Bully Herbig im
Herbst  eine Verpflichtung für  einen anderen Film  abgeschlossen hat
. Also fangen wir Mitte März an 2011 an“, sagt  Dietl.

Bully spielt den neuen Reporter, Xaver Kroetz als Baby Schimmerlos
gibt es nicht mehr. Noch und wieder dabei sind  aber auf jeden Fall
Senta Berger und Dieter Hildebrandt, der den Kolumnisten-Fotografen
Franz Hug eins zu eins auf dem Bildschirm adaptiert hat. Die Geliebte
des  Klatsch-Reporters im neuen Film  hat Helmut noch nicht gefunden.
„Ich habe ja jetzt Zeit und wir  werden bald ein Casting machen und
die richtige Schauspielerin finden.  Das  Drehbuch überarbeite ich
noch. Es bekommt jetzt den  Feinschliff“, verrät er. Die Kir
Royal“-Fortsetzung als Kino-Film beginnt übrigens  storymäßig in
Bayern, weil ja auch ein großer Teil Fördermittel  aus dem Land
stammen, ehe in Berlin weitergedreht wird.

Als ich Helmut Dietl in der Türkenstraße begegne, umarmt er mich
brüderlich wie immer  und erkundigt sich nach meinem Befinden. Seine
Frau Tamara  dagegen hebt beschwörend die Hände nach oben, vermutlich,
weil sie von der abendliche Sonne geblendet wurde. Die dunkelhaarige,
vierte Frau des Regisseurs, die mit Helmut die Tochter Serafina (7)
hat, war zuletzt  in der Schweiz und hat sich dort als Meditatorin
ausbilden lassen. Vielleicht ist das der  Weisheits letzter Schluß fürs
Eheglück. Die Dietls leben nach wie vor in dem geschichtsträchtigen
und strapazierten  Wohnblock Kunterbunt  in Schwabing in einer
3-Zimmerwohnung mit Hund Coco und Edelfeder Patrick Süskind samt
Familie als Nachbar.

Sein Büro für die „Diana-Film“ im Erdgeschoss hat Helmut aufgegeben.
Aber: Im Hinterhaus mietete sich Dietl ein neues „Büro“, eine perfekte
Wohnung zum  ungestörten Arbeiten, wo er oft  schläft, wenn er zu müde
zum “Heimgehen” ist.. Postalisch verheimlicht er die neue Bleibe nicht. „H.D.“
steht an der Klingel.

Kommentare (1) zu “HELMUT DIETL SCHLÄFT GERN MAL IN SEINEM NEUEN BÜRO”

  1. Annemarie Gschrei sagt:

    Hallo Michael Graeter,
    no Kommentar, sonder nur Hallo! Erinnern Sie sich noch (MZ) lang, lang ist es her.
    Laß gerade von der “Extrablatt-Gastronomie-Kette” und dacht an Ihr “Extrablatt” in Schwabing.Hat die oben genannte Kette mit Ihnen zu tun?
    Wäre toll von Ihnen zu hören!
    Liebe Grüsse!
    Annemarie Gschrei aus Bad Wörishofen

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