Nach 45 Jahren nimmt Herrenausstatter Lindmeyer nicht mehr Maß und gibt seine Outfit-Oase für Männer auf.
MÜNCHEN - Harry Lindmeyer, des Kaisers Kleidermann und Good-Looking-Berater
von Star-Architekt Sir Norman Foster, macht nicht nur hinter dem
Namen, wie im Geschäfts- Logo vermerkt ,einen Punkt. Nach 45 Jahren
Laufbahn als Deutschlands bekanntester Herren-Ausstatter setzt der
Männer-Verschönerer , der mit seinen silbernen Haaren an Kollege
Giorgio Armani erinnert, überraschend den Schlußpunkt. Das Maßnehmen
hat ein Ende und Lindmeyer wird „Freiherr“. Mit einem
Räumungsverkauf löst er seine Outfit-Oase auf, seit fünf Jahren
rechts von der Drehtür des Hotels „Bayerischer Hof“ etabliert. Seine
namhaften Stammkunden, wie Franz Beckenbauer, Andy Williams, Jose
Carreras, Produzent Helmut Ringelmann, Fritz Wepper oder Prinz
Leopold von Bayern, werden etwas traurig sein .
Lindmeyer, will nun entspannt das Privatleben mit Mode-Designerin
Gabriele Blachnik geniessen, viel Golf- und Tennis spielen und seinem
Hobby Kunst mehr Zeit schenken.
Fast gleichzeitig mit dem „Kaiser“, als dieser noch ein NoName war,
und beinahe bei „1860“ gelandet wäre, startete Harry in den 60er
Jahren in Schwabing sein erstes Herrengeschäft auf der
Leopoldstraße, das eingesäumt von den damaligen „In“-Lokalen „Studio
15“, „Käfig“ und „Western Saloon“ war. Vermittelt hatte ihm den Laden
Erfinder Hansl Bauer („Echolette“), Besitzer der „Schließberg-Alm“,
der den zornigen jungen Mann schätzte und ihm half. Italienische
Modefirmen, wie Cerruti, erkannten in Harry den idealen Mann, um in
München den Fuß für ihre Italo-Kreaktionen in die Tür zu kriegen.
Sie setzten auf Lindmeyer, der Armani, Versace und Ferre im
bayerischen „Monaco“ einführte, und gewährten ihm anfangs einen
Warenkredit für ein Jahr.
Nach Zwischenstationen in der Boutique „Men for Men“ von Linda von
Beck, heute eine der Society-Kolumnistinnen der „tz“, machte sich
Harry in einer Großraum-Boutique am Oscar- von- Miller- Ring breit und
Furore mit seinen von ihm kreierten Badehosen-Kollektionen. Als
„Models“ agierten unter freiem Himmel vor dem Modehaus Uli Hoeness
und Paul Breitner frank und frei im weißen Schwimm-Dress mit
„Harry’s-Emblem., als die Bayern noch nicht „FC Hollywood“ waren. Bei
Uli konnte man den „Naturpullover“ bestaunen und seine
Riesen-Koteletten, bei Paul die spärlichen Brusthaare. Mao-Anhänger
Breitner schmückten dafür mehr Haare oben. Lange Zeit trug er den
bedrohlichen Afro-Look.
„P1“-Urvater Alecos orderte bei Lindmeyer einmal rund 150
verschiedene Bermuda-Shorts, die er als „Eintrittskarte“ für eine
Party in seinem Club verkaufte. Die Herren der Schöpfung fanden nur in
diesem Harry’s-Dress Zugang. Sie durften den ganzen Abend nur in
diesen knielangen Hosen tanzen und mussten Hemd und Jackett an der
Garderobe abgeben. Die Offernherzigkeit steigerte die Stimmung immens.
Als Lindmeyer in seinem Kleider-Wonderland für Herren (von 1973-2005)
auch noch eine Bar eröffnete, die sich als Jetset-Raststätte
entpuppte, erschien Beckenbauer mit neuartiger Kaiser- Löckchen. Die
Frisur stylte ihm US-Hairdresser Vidal Sassoon. Zu dieser Zeit gehörte
Konzernherr Dr. Friedrich Karl Flick, aber auch der normannische
Kleiderschrank Curd Jürgens zu Lindmeyers Kundenkreis. Einmal verlor
Lindmeyer gegen Kaiser Franz eine Wette und musste zur Strafe an
einem höchst anstrengenden Trainingslager in Herzogenaurach
teilnehmen.
Harry im Zeichen des Krebses geboren, zeigt sich vor allem an seinen
Geburtstagen am 7.7. stets sehr großzügig und ließ oft bis zu 700
Krebse auffahren. Wenn Prinz Poldi von Bayern dabei war, blieb nichts
mehr fürs Personal übrig.
Der gut gebaute Kammgarn-Regisseur hat bis heute einen Schlag bei den
Damen. Einer seiner größten Coups war es, dem barocken Playboy James
Graser die Ehefrau abspenstig zu machen, Bank- und Casino-Erbin Monika
Graser . Mit ihr war er dann fünf Jahre lang ein Herz und eine Seele. Harry ist jetzt aber gefühlt ziemlich brav und bewohnt mit seiner Lebensgefährtin ein gemütliches Haus in Nymphenburg.



