Hochamt für den “Augustiner”-Stiftungschef anläßlich seines 85. Geburtstages. Erst Gottesdienst mit Auftritt der Tölzer Sängerknaben, dann großer Empfang im “Alten Rathaussaal” mit Oberbürgermeister Christian Ude und allen Chefs und Wirten des Bräus.
MÜNCHEN - Die Vorgeschichte muß man wisssen, sie ist einzigartig: Rudolf Wagner
war Münchens bekanntester Unbekannter. Der Mann mit den listigen braunen Augen
besaß als Allein-Inhaber die „Augustiner“-Brauerei mit Sudhäusern in
der Landsbergerstraße, die brauereieigene Gaststätte in der
Fußgängerzone (Münchens schönstes Bierhaus ), den Edel-Biergarten
„Augustinerkeller“, das Bierzelt auf dem Oktoberfest - und die
einmalige Eigenart, dass ihn nahezu niemand zu Gesicht bekam. Er lebte
jahrzehntelang wie der phantomhafte US-Industrielle Howard Hughes.
Der weißblaue Krösus, der gerne Strohhut trug, konnte deshalb
unerkannt im „Augustinerkeller“ einkehren und später von seiner Villa
aus, verborgen hinter der 6000 Plätze großen Kastanien-Oase, den Wirt
Kraus bös zusammenputzen, wenn etwas nicht in Ordnung war. Seine 400
Mitarbeiter , mit den beiden ergebenen Direktoren Karl Großmann und
Ferdinand Schmid an der Spitze, steuerte er unnahbar schriftlich per
Briefkastenfach. Nur Haushälterin und sein Chauffeur (Mercedes mit
Gardinen) erlebten Mr. Unsichtbar als Einzige Auge in Auge, der
samstags, wenn der Fahrer frei hatte, anonym mit S-Bahn und Zug zur
„Post“ (Leibspeise: Tellerfleisch, Lieblingsgetränk: „Kalterer See“
und „Steinhäger“) nach Garmisch fuhr.
Als Wagner starb und lange Zeit kein rechtmäßiger Erbe gefunden wurde
und sich Tausende von Wagners meldeten, bis eine alte Dame namens
Edith Habermann als sichere Kandidatin herausgefunden wurde, der die
Hälfte der Brauerei zufiel, die aber auch bald das Zeitliche segnete,
entwickelte sich Ferdinand Schmid als Fels in der Bier-Brandung. Und
jetzt kommt die Hauptgeschichte: Der Gerstensaft-Fuchs überlebte
Freund und Feind . Geschmackssicher führte er das
„Augustiner“-Imperium , drückte ihm seinen Stempel auf und wurde
jetzt als silbergraue Bier-Eminenz und inzwischen Herr der
„Haberland“-Stiftung zu seinem 85. Geburtstag gefeiert wie ein König.
Den „Alten Rathaussaal“, wo vor kurzem noch der Aufstand der
Viktualien-Markt-Frauen geprobt wurde, stellte OB Christian Ude
für die abendliche Zeremonie zur Verfügung, lobte Ferdinand, mit dem
er eine Linie hat, in einer heißen Laudatio über den Schell -König.
Die Schäffler standen Spalier, die Ansprache von Gastro-Napoleon
Richard Süßmeier war allerdings diesmal nicht ganz pfeffrig wie gewohnt und
Wiesn-Wirt Hans Stadtmüller („Fischer-Vroni“) ließ Fisch-Brettln mit
den Lieblingsschmankerln des zeitlos wirkenden Geburtstagskindes an
die 380 Gäste servieren, darunter Herzog Max und Herzogin Elisabeth in
Bayern, der toughe, junge „Augustiner“-Big-Boss Dr. Jannik Inselkammer mit
Familien-Clan, Bräu-Teilhaberin Marion von Treutini,
Multi-Aufsichtsrat Jobst Kayser-Eichberg, Marktsprecherin Christl
Hirschauer 8gerade wiedergewählt), Dr. Peter Kreuzpaintner, der ewige
zweite Mann bei „Paulaner“, mit seiner humorvollen Frau,und die meisten
„Augustiner“-Wirte, deren Kellner vereint den Service vornahmen. Die
SPD gratulierte mit Frontmann Alexander Reissl, die CSU blieb so
unsichtbar wie damals Vorfahre Rudolf Wagner.( Ich hatte das
einmalige Glück Wagner einmal für ein Foto zu treffen und belohnte es
mit einem Kasten “Edelstoff”.)
Das Bier aus dem Holzfaß vom Ganter, kohlensäurefrei, floß in Strömen
und zur Feier des Tages erhielt der gerührt in die Runde blickende
Schmid ein eigens angefertigtes 85-Liter-Bierfass mit Konterfei
geschenkt und eine Happy Birthday-Torte in Form eines Bierfasses.
Ferdinand, der ganz privat die gute Küche im „Zwingereck“ geniesst und
in der Nähe gesunderhaltende Massagen bezieht, trug ein ziemlich neues grünes
Trachtensakko und eine rötliche Weste. Ihm zur Seite stand wie immer
Willy Tertzer, sein Mädchen für Alles.
Natürlich war aucjh hoheGeistlichkeit angetreten wie Salzburgs
Domdekan und der Stadtpfarrer von St. Peter, in dessen Kirche vor dem
Rathaus-Empfang ein Gottesdienst stattfand und der Tölzer Knabenchor sang. Ferdinand
Schmid ist ein langjöähriger Mäzen vom „Alten Peter“. Die
Restaurierung der Zunftstangen und des Deckenfrescos ging auf seinen
Geldbeutel. Der Künstler bedankte sich auf seine Weise. Ein Engel , an
der Decke in der Mitte des Kirchenschiffs zu sehen, ist deutlich
Ferdinand Schmid. So gesehen verewigt.



