Aus den Münchner Discos raus und rein in die etwas unanständige Black Boxx am Hauptbahnhof. Der Baby-Jetset tanzte bis mittags um 1 Uhr. Da waren selbst die Girls vom Tabledance angeschlagen.
MÜNCHEN - Münchner Kids der Mondschein-Szene zogen sich gestern einen (be-)sinnlichen vierten Advent der anderen Art rein. Die Party begann um Mitternacht und dauerte bis gestern ein Uhr mittags.
Den roten Teppich, gleich neben der Polizeistation am Hauptbahnhof, säumten mannshohe Engels-Skulpturen aus weißem Glitzer-Plastik. Ein nicht zu übersehender weißer Stretch- „Lincoln“ vom American-Limo-Service Baierlein pendelte ständig zwischen den Discos „P1“, „089“, „Sugar „ oder „Heart“ und brachte neue Gäste. Die Erzengel-Michael-Figuren „bewachten“ sozusagen das nächtliche Frivol-Paradies „Black Boxx“ in der Goethestrasse, wo sich Münchens Matadore der Nacht , darunter durch ihre Eltern namhafte Yuppies und Jungunternehmer wie Fliesen-Fürst Johannes Reichenbacher oder Internet-Seiten-Kreateur Class Blüher („Revorm“), zum Never-Ending-Fest einfanden. Bogenhausens Jung-Jetset war von der Rolle.
Bei hämmernden „House“-Sound befand sich jeder mit jedem auf Tuchfühlung. Es war enger als in der Südkurve in der „Allianz-Arena“, aber wesentlich prickelnder. Ich habe selten so viele neue Leute auf Anhieb kennen gelernt wie in dieser Nacht. Uli Reiffs rabenschwarzes Tabledance-Etablissement war immer noch gesteckt voll, als bereits in der bürgerlichen Nachbarschaft die sonntäglichen Weißwürste gereicht wurden.
Ultimativer hätte das Kontrastprogramm nicht sein können. An der Chromstangen-Adresse prallten die durch welchen Kraftstoff auch immer nimmermüden Nacht-Raben in dicken Antarktis-Jacken und Kapuzen mit Wolfspelz, auf zwanzig hübsche Girls, die von Berufswegen der Textil-Industrie keine Freude machen. Die Tänzerinnen leisteten in diesem Gedränge mit Gästen, die fröhlich neben sich standen, Schwerstarbeit. Boys wie Girls – der gesamte Nachtlokal-Nachwuchs rockte Kopf an Kopf um die kleine Bühne mit der silbernen Stange herum.
Neu: Selbst Töchter aus gutem Hause zeigten wenig Berührungsängst und steckten offensiv den Tänzerinnen die Spielgeld-Dollars ins Höschen. „Es war alles „geil“, jubelte die blonde Nachfahrin eines Strumpf-Imperiums.
„Big Spender“, die sonst den frivolen Hasenstall bevölkern, kamen direkt ins Hintertreffen. Unter den „Black Box“-Stammgästen gibt es einige Vegetarier, die aber auf diese Fleischeslust nicht verzichten wollen. Ab elf Uhr vormittags ließ Hausherr Reiff die elktrischen Glastüren versperren und ließ niemanden mehr rein, sonst hätte es kein Ende gegeben.



