Eckart Witzigmann eben aus Mallorca zurückgekehrt, in Thierry
Leoncellis Münchner Brasserie „L‘Atelier“ in der Nähe des
Viktualienmarkts. Noch ganz im Urlauber-Qutfit, hellblaues Hemd und
hellblauer Pulli. Mit Niki Schnelldorfer, seiner pfiffigen
Lebensgefährtin und Tochter von Eiskunstlauf-Olympia-Sieger Manfred
Schnelldorfer, an seiner Seite, hatte er ein paar längst überfällig
Ferientage genossen.
Was sage ich, Hamlet?, Jahrhundertkoch? oder erster 3-Sterne-Meister
aller Klassen
außerhalb Frankreichs?
Eckart, früher „Tantris“, später „Aubergine“ und heute um die Welt
jettender Food-Berater, rückte vom Level irdischer Köche längst ab.
Er ist - einmalig in seiner Zunft – inzwischen Professor und Doktor
der Haute Cuisine. Im Gegensatz zu München, das er mit
seiner Kunst zu Deutschlands Gourmet-Hauptstadt adelte, hier aber
ziemlich stiefmütterlich behandelt wurde, zeichnete ihn die
schwedische Universiät Örebro , ein Campus, der viel für
Lebensfreude übrig haben muss, innerhalb von zwei Jahren mit diesen
Ehrentiteln aus. Es musste so kommen, nachdem der Prophet bekanntlich
im eigenen Land nichts gilt. Ecki besitzt mit smartem Austria-Charme
ein souveränes Fachauftreten, ist TV-Kochshowresistent in den
deutschen Programmen und bei ihm verscheucht auch nicht, wie bei
anderen Fernsehköchen, ein Ziegen- oder Zwirbelbart den Appetit.
Gerade ist Witzigmann in der Londoner Guildhall bei der Verleihung des
begehrten „S.Pellegrino World’s 50 Best Restaurants Awards“ mit dem
Ehrenpreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet worden. „Sein Einfluss
hinterlässt in ganz Europa seine Spuren. Er hat wie kein anderer zur
Erhebung der bayrischen Küche zur Haute Cuisine, und das mit dem
Einsatz einfacher Zutaten, beigetragen“, begründete die Jury der
Restaurants-Academy, die übrigens nur drei deutsche Lokale in den „Top
50“ erwähnt: „Vendome, Schloß Bensberg (Platz 22), „Aqua“, Wolfsburg
(34) und „Schwarzwaldstube, Traube-Tonbach(47). Eckart stieg bei
seiner Dankesrede förmlich wie Phoenix aus der Asche, fast im
wahrsten Sinne des Wortes:“ Wegen der Asche des Vulkans in Island war
ich mir gar nicht sicher, ob ich überhaupt nach London kommen konnte,
um den Preis in Empfang zu nehmen.“Als Guru der weißen Zunft , der sich einst bei Paul Bocuse und Paul Haeberlin den Feinschliff holte, rät er den jungen Herd-Kollegen:“
Lernt soviel ihr nur lernen könnt, versucht aber am Ende des Tages
nicht zu kopieren, sondern entwickelt einen eigenen Stil. Lasst eurer
Kreativität freien Lauf. Nicht die permanente Wiederholung, sondern
das Beschreiten neuer Wege bringt uns weiter.“
Inzwischen verleiht auch Meister Witzigmann selbst einen Ehrenpreis.
Der aktuelle Preisträger ist kein Geringerer als Prinz Charles von
England, der für „seine herausragenden Verdienste um eine nachhaltige
Landwirtschaft“ am 12. Juli 2010 mit dem „Internationalen
Eckart-Witzigmann-Preis im Neuen Schloss in Stuttgart ausgezeichnet
wird. Es ist klar, dass bei diesem Festakt Herr Doktor selbst
aufkocht.




