Am Fuße des Wallbergs entzückt Multimilliardär Otto Beisheim eine urige Gesellschaft – hier weißblaue Hintergründe und etwas G’schaumiges.
TEGERNSEE - Die Duftnoten Weihrauch und Steckerlfisch paarten sich in aller
Herrgottsfrüh in einem Waldabschnitt von Enterrottach am Fuße des
Wallberg. Jesuiten-Pater Martin Maier und die Tegernseer Gebirgsschützen, eine
mannhafte Kompanie, der einst Franz Josef Strauß angehörte und deren
prominentestes Mitglied Papst Benedikt XVI ist, zelebrierten eine
Feldmesse, mit der traditionell das Gebirgsschützenfest gestartet
wird. Man betete bereits für den neuen Bundespräsideten Christian
Wulff. Leider funktionierte das Mikro mehr schlecht als recht. Das
brachte die Kompanie-Chefs Fredy Baier und Sohn Florian nicht aus der
Ruhe.
Einmal im Jahr die Kasse aufzufrischen, ist natürlich das wahre Motiv
der urigen Fete in freier Natur. Die Preise im Schnitt von 2.50 bis
acht Euro aber waren mehr als redlich für Bier, Bratwurst, Fisch oder
Hochrippe. Der Eintritt war frei, ebenso das Parken auf einer
Kuhwiese, die fast ganz amerikanisch gedacht den Waldfest-Gästen für einen
Tag und den Abend zur Verfügung stand. Der heimliche Kaiser des
Bilderbuch-Tals durfte nicht fehlen. Multimilliardär Otto Beisheim,
Erfinder des Handelsriesen “Metro”, wo inzwischen sein Mitsprache-Recht ziemlich schrumpfte. Otto
ist eigentlich nur mehr schwerreich, steinkohlereich. Die Familien Haniel und
Schmidt-Rutenbeck, die ihm vor Jahrzehnten als jungen Spund das
Spielgeld und das Vertrauen gaben, um den Cash&Carry- Konzern in Deutschland
aufzubauen, haben ihn über einen dirskreten Aktien-Umweg entmachtet. Sie mißtrauten der neuen
familiären Entwicklung Beisheims, der seine Luganer Nachbarin Lise
Evers geheiratet hat. Die unauffällige Dänin sorgte allerdings noch zu
Lebzeiten von Beisheims erkrankter Ehefrau Inge für Verwunderung und
zuletzt über ihre Mitsprache-Versuche im Weltunternehmen, das vom
schweizerischen Zug und Düsseldorf gesteuert wird. Top- Vertraute von
Otto, wie Erwin Conradi, der über drei Jahrzehnte mit Mr. Metro über
die Firmengeschicke waltete, wie auch der andere Manager Hans-Dieter
Cleven, der fast so lang wie Conradi im Konzern agierte, mussten
plötzlich ihre Hüte nehmen. Die neue Ehefrau, 68 Jahre alt, konnte allerdings im
Gegenzug auch ihren Schwiegersohn-Kandidaten, für den schon Büro und
Diestwagen in Zug und Düsseldorf bereit standen, nicht platzieren. Zu
große Verwirrung fühlte der Geldgeber-Clan von einst, Haniel und Co,
und man ließ den Metro-Grandsegnieur außen vor.
Man weiß nicht, ob Otto Beisheim traurig ist. Der 86jährige,
ungebremst aktive Krösus war jedenfalls beim Fest der Gebirgsschützen,
wo er Offizier ist, sehr gut drauf. Vergnügt
saß der Big Spender auf der kleinen Holz-Veranda der von ihm
gestifteten Kompanie-Hütte “Otto und Inge Beisheim” und ließ sich das
Bier schmecken. Man kann vieles über ihn sagen, über seine krankhafte
Ungeduld vielleicht, aber eines ist umbestritten: Otto ist kein
Schotte, obwohl er in Kleinigkeiten auf den Cent schaut. Wenn es um
was geht, überrascht er als sehr flexibler und visionärer
Geschäftsmann. Er hat Sporthallen und Intensivstationen in Kliniken, Krankenwagen und Golfplä#tze
gesponsert. Otto trug an diesem Sonntag wie seine Kompanie-Kollegen
volle Montur. Das heißt – den aus Loden geschneiderten Gehrock, eine grüne Samtweste, passende Hose und den typischen Stopselhut, den Spielhahnfedern schmücken. Obwohl es heiß
war, behielt er den Kopfschmuck die ganze Zeit auf. Die Federn wippten
in einem fort, weil Beisheim ein sehr temperamentvoller
Gesprächspartner ist.
Seine Gegenüber waren ein ehemaliger CSU-Hero aus dem Landkreis und Axel Pape, dem der liebe Gott ein besonders süßes Leben verschaffte, weil er sich als Erbe der beiden
Weltkonzerne “Coca Cola” und “Henkel”-Waschpulver wie Dagobert Ducks
Zwillingsbruder vorkommen muß. Otto und seine Frau (im schwarzen
Dirndl) blieben bis zwei Uhr nachmittags, als gerade Lagerhallen-Lord
Viktor (“Pini”) Erdmann, ein guter Freund von Beisheim, beim Waldfest eintraf. Das
Benzin in seinem Roller war mitten im Wald ausgegangen und “Peanuts” musste
ziemlich lange warten, bis ihn jemand mitnahm. Otto ließ seinen
Mercedes-Geländewagen (früher war das nur ein VW Scirocco) vorfahren,
noch ein Glas Wasser reichen und steuerte dann seinen Wagen selbst
nach Rottach-Egern, wo er wohnt.
An den Biertischen im Freien und an den Schmankerln-Ständen
gesichtet:: Landtagsabgeordneter Alexander Radwan, den Tegernsee mehr
reizt als das Europa-Parlament, die Kleider-Fabrikanten Jochen und Uwe
Holy, Inneneinrichter Heino Stamm, Nano-Malerin Rita Adolff,
Ex-Eishockey-Hero Hans Lindermayer, Festival-Imperessario Stefan
Vogel, der internationale Großveranstaltungen imTegernseer Tal
organisieren will, Deutschlands berühmtester Maibaumräuber, Zahnarzt
Heinz Jahnel, der mit Arzt-Kollege Schorsch Bauer für viele Jahre für
Schlagzeilen gut war, und die Münchner Kaffehaus-Chefin Heidi Förster
(“Wallstreet”),




