CAROLINE WAR DIE QUEEN IM GERICHTSSAAL

Monacos First Lady erschien in Hildesheim vor Gericht, um die Wahrheit zu sagen, wie es wirklich war und entkräftete das Lügengebäude des schillernden Disco-Besitzers. Weibliche Zaungäste wünschten sich, dass Prinzessin von Hannover angesichts der provozierenden Bade-Fotos ihren Mann beschädigt. Sie blieb souverän.

HILDESHEIM -  Königliche Hoheit musste ziemlich früh aufstehen, aber was tut man nicht alles, um den Ehemann aus dem Schlamassel zu pauken. Wenn nicht…

Caroline von HannoverPrinzessin Caroline von Hannover trat trotz der provozierenden Badefotos von Gatte Ernst August gestern souverän vor dem Landgericht Hildesheim auf und stellte klar, dass sie juristische Belange nicht mit dem Privatleben vermischt, wie schief der Haussegen auch hängen mag. Sie agierte als perfekte Staatsfrau. Die erste Monegassin  jettete von Nizza nach Hannover und wurde in einem Regierungskonvoi nach Hildesheim chauffiert. Vorne weg fuhr ein Wagen mit Blaulicht. Im Auto dahinter, einem schwarzen BMW 735, gepanzert, Kennzeichen O-93-1, saß Caroline. Die Prinzessin, bei der die meisten geglaubt hatten, sie würde nicht erscheinen, betrat ziemlich pünktlich den Gerichtssaal 134.

In schlichtem Outfit, wie es sich  für solche Anlässe geziemt, erschien sie mit langer dunkler Hose, dunklem Oberteil, Schal und flachen Schuhen. Im dunkelbraunen Haar steckte eine Spange aus Horn.  Richter Andreas Schlüter vernahm sie 90 Minuten lang. Obwohl sie deutsch fließend beherrscht, wählte sie die englische Sprache und meisterte souverän das kleinliche Frage- und Antwortspiel. Sie war die Queen im Saal, wirkte ausgesprochen bescheiden und strafte mit ihren konkreten Äußerungen weibliche Journalisten Lügen, die ihr immer wenig Rhetorik-Talent unterstellen, weil sie wahrscheinlich die First Lady von Monaco noch nie live erlebt haben.

Der nüchterne, mit Neonlicht erhellte Gerichtssaal war voll besetzt. Rund 150 Medien-Vertreter, 12 Rentner und vier Anwälte (der von Josef „Jo“ Brunlehner trank sein Wasser aus der Flasche). sowie die drei Richter und ein jugendlicher Staatsanwalt. Als Caroline hereinkam, mussten alle Fotografen und Fernsehteams den Schauplatz verlassen und gingen leer aus. „Kameras und Fotos raus“, rief einer der acht Ordnungshüter. Nur die schreibende Zunft durfte bleiben. Die Prinzessin schilderte kompakt nochmal den sogenannten Tatablauf, der sich genau auf den Tag vor zehn Jahren abspielte, als es zwischen Prinz Ernst August von Hannover und Disco-Unternehmer Brunlehner zu Handgreiflichkeiten gekommen war. Mit ihrer mehrfachen Aussage, ihr Gatte habe dem Mann nur zwei Ohrfeigen gegeben, wird sich die Urteilsfindung gewaltig ändern müssen. „Eine für die Musik und eine für das Licht“, erklärte Caroline die Watschn. Sie war freiwillig in Hildersheim angetreten für Klarheit und Wahrheit. Von weiblicher Seite hörte ich in der Öffentlichkeit, einhellig immer nur den Wunsch, dass sie Ernst August eine mitgeben solle.

Beanstandet wurden in der ganzen kenianischen Gegend Lärm und Laser des Brunlehner-Lokals. Der Hannoveraner, der auf Lamu immer ein Haus mietete, war wütend auf Jo und so kam es bei der ersten Begegnung zu einem Streit. Vor einem keniansichen Gericht wurde der Fall als Bagatelle angesehen und abgewiesen. “So etwas passiert täglich 100mal”, erklärte der Richter. In Deutschland verhandelt die Justiz den Fall seit 10 Jahren. Würde es sich nicht um den Welfen-Prinzen handeln, wäre die Angelegenheit auch längst zu den Akten gelegt worden sein. Das Lügengebäude des  hemdsärmeligen Kontrahenten ist inzwischen auch schon den niedersächsischen Gerichten klar geworden.

Nach den Einkommensverhältnissen befragt, äußerste sich die Monegassin: „Das weiß ich wirklich nicht, wir haben jeder unsere eigenen Einkommen. Das Argument, dass Ernst August einen Schlagring benützt haben könnte, entkräftete die Prinzessin: „Das ist völlig aus der Luft gegriffen. Mein Mann trägt nicht mal einen Ring, auch nicht einen Ehering”. Daß Ernst August sehr viel Temperament besitzt, bestätigte sie, die noch nie langweilige Ehemänner hatte.

Am Abend vor der Vernehmung saß eine kleine Gruppe Medien-Profis an der Bar des „Novotels“ und es sah beim Konsum von 38 Pils wie eine Szene aus Billy Wilders Film „Extrablatt“ aus, wo die unterschiedlichsten Reporter auf der Jagd nach der Exklusiv-Story mit den unterschiedlichsten Berichten vor Ort waren.

Für die meisten Fotografen und Kameraleute war die Reise nach Hildesheim unerfreulich, weil sie gerade mal Caroline ablichten konnten, als sie am Gerichtsgebäude vorfuhr und durch einen Hintereingang, wie sonst nur Gefangene durchgeführt werden, das Haus betrat. Die Prinzessin flog nach der Vernehmung sofort wieder nach Nizza zurück.

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