82.OSCAR: “AVATAR” ERLEBT SEIN BLAUES WUNDER

Hollywood 2010: Preisträgerin Sandra Bullock war souverän die Königin der Nacht und ließ mit der begehrtesten Trophäe der internationalen Film-Szene den Schmäh-Preis “Goldene Himbeere” alt aussehen.



HOLLYWOOD -  Man soll den Teufel nicht an die Wand malen. James Cameron, Herr des
2-Milliarden-Dollar-Hits „Avatar“ hatte noch großspurig bei der
Verleihung „Golden Globe“ getönt, wie sehr er es bedauert hat, dass
seine Ex-Frau Kathryn Bigelow für ihren Film „The Hurt Locker“ nicht
ausgezeichnet wurde. Beim „Oscar“, dert zum 82. Mal  in
Hollywood verliehen wurde, bekam  er  eine unerwartete Quittung. Seinen
„Titanic“- Untergang ganz privat. Da nutzte das Stecktuch in seinem
Maß-Smoking , blau wie „Avatar“, und das blaue Kleid seiner blassen,
sehr schlanken Frau Suzy Amis nichts.

Die ehemalige Ehegespielin , wohlproportioniert, in ärmelloser Robe,
die ihre muskulösen Oberarme betonte, saß im 3332 Plätze großen “Kodak
Theatre” direkt  eine Reihe vor Cameron und er musste direkt hinter
ihr die ganze Zeit den schönen, aber bekannten Rücken und  ihren
Hinterkopf ansehen, als das Desaster in einer neuen Variante David
gegen Goliath  seinen Lauf nahm. Sein von hellen Haaren eingefasstes
Ritter-Gesicht verfinsterte sich von Mal zu Mal.  Ein „Tödliches
Kommando“, so heißt auch der deutsche Titel von Kathryn  Bigelows
Kriegsdrama, überrollte den mächtigen, in amerikanischen Szene-Kreisen
nicht sehr beliebten Schöpfer des Streifens  mit den blauen Menschen.
Seine Ex sahnte bravourös sechs  „Oscars“ ab, darunter die wichtigsten
,  beste Regie und bester Film . In der Geschichte des „Oscars“ ist sie
außerdem die erste Frau, die als Bester in der Kategorie „Regie“
preisgekrönt wurde.  Im Gegensatz  zu „Avatar“, der 500 Millionen
Dollar teuer war, kostete ihr Film „The Hurt Locker“ 11 Millionen
Dollar und hat bisher 13 Millionen eingespielt, ist aber bisher noch
nicht groß in Amerika eingesetzt worden.

Den roten Teppich auf dem Hollywood Boulevard für die Show vor der
Show krönte ein transparentes Plastikdach, weil es am Vortag massiv  geregnet
hatte. Zur Verleihung herrschteaber  schönes Wetter. Die Damen, allesamt in
bodenlangen, meist schulter- und ärmelfreien Abendkleidern  defilierten
über  nusstrockenem Sisal und sanken nicht ein wie vor ein paar Wochen
beim „Golden Globe“, wo es in Strömen gegossen hatte.Bis auf das tintenblaue
Dress von Sängerin Mariah Carey, geschlitzt bis zur Hüfte und einem
Atombusen-Dekolletee sowie Hillary Swanks’ etwas kühnes
Fast-Nichts-Modelkleid war es ein braves, aber elegantes Rauschen der
Roben, an dem sich Jessika Parker, in einem seidenen Chanel-Unikat
(mit Ehemann Matthew Broderick), Penelope Cruz, in auberginefarbenen
Donna-Karan-Kleid, die laszive  Charlize Theron in pinkfarbenen Outfit mit
Schleppe, Jeniffer Lopez in Armani , Demi Moore in Versace , Meryl
Streep, ganz in Weiß, teilbar wie ein Vorhang, und Barbra Streisand im schwarzen Smoking mit
langem weißen Schal, schwungvoll beteiligten. Diana Krügers zierlicher
Körper  verirrte sich in einer Rüschen-Konstruktion von Chanel.

Sehr edel, sehr  schön erschien Sandra Bullock auf der Bühne. Sie war
die Königin der Nacht.  Die  aus Nürnberg stammende Filmschauspielerin
trug eine silberne Robe mit viel Spitze, nur eigenen, „ von meinem
Mann ( Jesse James ) geschenkten Schmuck“ und erhielt für ihre  Arbeit in
dem Film „Blind Side“ den „Oscar“ als beste Hauptdarstellerin. In
ihrer witzigen Rede sagte Sandra:“Habe ich ihn wirklich verdient oder
euch (die Jury)  nur mürbe gemacht“. Sie bedankte sich,
bevor  Tränen kullerten, bei ihrer Mutter Helga, die vor zehn Jahren
verstarb und für das Verbot der Mama, dass „ich nicht mit den Jungs im
Auto fahren durfte, bevor ich 18 war“. Natürlich schickte sie ein paar
Grüße an ihre deutsche Familie: „Ich liebe Euch, wir sehen uns ja
bald, geht aber jetzt schlafen. Gute Nacht“.

Unverschämt gut aussehend durcheilte George Clooney, der jetzt keinen
Bart mehr und die Haare kürzer trägt, die „Oscar“-Soiree. Der Bel Ami
war blendender Laune,  lief sogar am Maschendrahtzaun vorbei, hinter
dem die Fans zu Tausenden warteten, und gab Autogramme und
Kußhändchen.  George kam  mit seiner Bekannten Elizabeth Canalis , die
ihn optisch durchaus schmückt, mit der er aber sicher noch nie
gemeinsam einen Kanal durchschwommen hat. Clooney war als bester
Hauptdarsteller  für  dem Film „Up in the Air“, nominiert und ging
leer aus. Die Trophäe holte sich der Haudegen Jeff Bridges für „Crazy
Heart“. Auch Clooneys Film-Partnerin Vera Farmiga machte sich
vergebens Hoffnungen als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet zu
werden. Auf dem roten Teppich unterlief der Schauspielerin  zudem noch
ein  kleiner Faux pas. Vera gefragt wurde, wer ihrer Meinung nach
den Preis für die beste Regie bekommen müsste, antwortete sie spontan:
„James Cammeron“. Dann schlug sie ihre Hände vors Gesicht, weil ihr
natürlich eingefallen war, dass auch ihr Regisseur Jason Reitman
nominiert war für den gemeinsamen  Film „Up in the Air“. Der aus
Frankfurt kommende  Star-Komponist Hans Zimmer blieb ebenso unbelohnt.
Dafür machte der österreichische Schauspieler Christoph Waltz mit dem
„Oscar“ für beste Nebenrolle in dem Streifen „Inglourious Basterds“
seine Trophäen-Sammlung komplett. Landsmann Michael Haneke, für den
Film „Das weiße Band“ nominiert, war mit ganzen Clan erschienen. Man
wunderte sich schon, wie er so viele Karten auftreiben konnte. Er nahm
die Rolle als Verlierer gelassen hin und hatte schon vor der
Verleihung darauf hingewiesen, dass er in Cannes  bereits die „Palme“
bekommen habe, den „Preis der Kunst. Der Oscar sei der Preis der
Publicity“. Klingt ein bißchen nach dem Fuchs und den hochhängenden
Trauben.

Beim Raffen der Kleider kamen die tollkühnsten und höchsten Stöckelschuhe zum
Vorschein. Das schwierige Gehen in diesen High Heels  war wohl  der
Grund, warum sich die Damen selbst zum nur wenige Meter entfernten „
Renaissance“-Hotel  mit der Limousine chauffieren ließen, wo der
anschließende  Gouverneurs-Ball stattfand. Zum 16. Mal hatte Wolfgang
Puck aufgekocht und die Gäste mit Chicken-Gulasch mit schwarzem
Trüffel, Mini-Burger, Lachs, Kaviar und Thunfisch-Tatar in der Tüte
verwöhnt. „Ich will jetzt nur entspannen, Burger essen oder etwas
anderes und nicht die Sorge haben, dass das Kleid platzt und die
Schuhe ausziehen“, stöhnte Sandra Bullock , als sie es sich an ihrem
Tisch bequem gemacht hat. Sie scheint das Leben  generell locker zu
nehmen und verriet, „morgen wieder mit dem Hund Gassi zu gehen und
einen Fitness-Club zu besuchen.“ Am Vortag war Sandra mit dem
Schmäh-Preis „Goldene Himbeere“  als schlechteste Schauspielerin 2009
für den Film „Verrückt nach Steve“ ausgezeichnet worden, der  sich
durch den „Oscar“ zu Fallobst degradiert hat. Die Bullock zeigte sich
kämpferisch auf dieser Veranstaltung und brachte jedem Journalisten
eine DVD mit. “Ich bin sicher, Sie haben den Film nicht mal gesehen”.

Die „Oscar“-Night klingt immer mit ein paar  Partys  in anderen L.A.Stadtteilen aus. Zum
begehrten Fest von „Vanity Fair“, nicht mehr bei “Mortons“, sondern im
Penthouse mit Pool des frisch renovierten” Sunset-Tower-Hotel”, trafen
sich Victoria Beckham, Heidi Klum, Joan Collins, Jane Fonda, Jon
Voight und der immer noch rege Kirk Douglas. Elton John und sein Mann
versammelten wieder ihre Schäfchen um sich wie jedes Jahr.

Bei den
„Oscar“-Preisverleihungen wird immer auch der toten Filmstars gedacht.
Man vergaß diesmal  die Super-Blondine Farah Fawcett. Somit lebt sie
wohl ewig in Hollywood.

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