80:GUSTL,DER MANN MIT DEN NEUN NULLEN VOR DEM KOMA

Bank-Tycoon von Finck feiert rundes Wiegenfest und wirbelt mit seinen Aktionen selbst die Schweiz durcheinander. Fliegt immer noch selbst Hubschrauber und geht gern auf die Jagd.


MÜNCHEN/ZÜRICH -   Baron August von Finck, mit geschätzten 10 Milliarden Euro Vermögen
einer der reichsten Männer der Welt,  genießt es  mit diebischer
Freude, unerkannt durch München zu spazieren. Wie sollte er auch.
Keine elektronisch verkabelten Bodyguards umwieseln ihn, womit sich
Berliner Politiker oder eine norddeutsche Spinat-Vorkosterin versuchen
wichtig zu machen. Kein Aktentaschenträger folgt in demütiger Haltung,
wie einst Stoiber bei Franz Josef Strauß. Der hochgewachsene Herr mit
den freundlichen Augen, der heute seinen 80. Geburtstag mit seiner
Familie feiert,  bedient sich in der Öffentlichkeit keiner
aufwendigen Entourage wie früher Konzernherr Dr. Friedrich Karl Flick
und fällt somit nicht auf.  Selbst seinen Hubschrauber steuert er
meist selber. Da er wegen seiner vielen privaten Domizile oft selbst
nicht weiß, wo er sich gerade aufhält, und wie eine Art Phantom of the
Opera wirkt, zelebriert er das runde Wiegenfest in Raten  -
Schwerpunkt sind sein Schweizer Schloß  Weinfelden im Kanton Thurgau
und das Schloß Seeseiten am Starnberger See. Überall gibt es , wie bei
anderen Leuten Garagen, Heli-Landeplätze.

In der Stilart, wie er den Geldfluss bewegt, erinnert der superleise
Multimilliardär, der mit FJS befreundet war, etwas  an FK, den zu
Lebzeiten allerdings Spenden mehr zu schaffen machten als Finck.
Jüngst geriet Gustl  aus der Anonymität ins gleißende Sezier-Licht
wegen einer finanziellen Wohltat in Millionenhöhe an die so verarmten
Parteien wie zum Beispiel die FDP. Schon pickte der leer ausgegangene
politische Gegner den  Grund heraus, warum die Gelben Geld bekamen.
Sie hatten mit dem Gesetz zur sogenannten Wachstumsbeschleunigung die
Mehrwertsteuer-Senkung von 19 auf sieben Prozent bei Hotels  durch
Bundestag und Bundesrat gepeitscht. Finck besitzt, aber was besitzt
der Münchner Krösus nicht alles, allein unter dem Markenzeichen
„Mövenpick“ 17 Hotels in Deutschland und 134 in Europa, im Nahen- und
Mittleren Osten, in Afrika und Asien. Die Behauptung einer Belohnung
für die FDP oder die Skandal-Vorwürfe der Grünen wies der silbergraue
Baron zynisch zurück:“ Wir haben doch schon letztes Jahr gezahlt. Die
Mehrwertsteuer-Senkung kam doch erst in diesem Jahr. Karl Marx sagte
schon: Erst das Geld dann die Ware“. Schon einmal geriet der Baron mit
einem großzügigen Sponsering  in die Headlines. In den 90er Jahren
unterstützte er im Kampf gegen den Euro den Münchner Politiker Manfred
Brunner mit einer satten Millionen-Summe, der früher Bayerns
FDP-Landesvorsitzender war.

Im Münchner Straßenbild  gibt sich August von Finck als Einzelgänger
wie Du und ich, der sich mit Polizisten unterhält, wenn sie im
grünweißen VW-Bus sitzen und  die Gegend observieren. Er geht ( bei Kälte mit Finnen-Käppi) am
liebsten in Restaurants mit bayerischer Küche und es kann passieren,
dass man neben dem Bank-Milliardär am Stammtisch sitzt, ohne es zu
wissen.  Seinen üppig sprießenden Haarwuchs läßt der Grandsegneur alle
sechs Wochen auf kennedykurze Frisur stutzen. Zu Gerhard Meir, seinem
Mieter, geht er nicht, sondern zu einem xbeliebigen Haarschneider, der
gar nicht weiß, dass gerade Herr von Finck seinen Kopf hinhält. Genau
so diskret kauft  Gustl seine Garderobe bei  Ermengildo Zegna in den
„Fünf Höfen“  in München oder  in Zürichs feiner Bahnhofstrasse. Auf
Flughäfen wird man ihn nie treffen. Gustl benutzt nicht die
Verkehrswege von Otto Normalverbraucher. Er fliegt Privatjet und Heli
und hat seit 1980 einen Hubschrauberschein.

Seine 80 sieht man ihn nicht an, der Finanz-Tycoonist keineswegs müde
und unbestritten immer noch der Clan-Chef, obwohl er das operative
Geschäft an seine Söhne August Francois von Finck und Luitpold
Ferdinand von Finck übertragen hat. Bei großen Konzern-Entscheidungen
spricht der Vater immer noch das Machtwort. Don August und seine
charmante Frau Francine, geborene Le Tanneux de Saint Paul, haben mit
ihrer superreichen Famlie den Wohnsitz längst in die Schweiz verlegt.
In München verfügen sie über großzügige Wohnungen, darunter eine
Luxus-Dependance  oberhalb der „Vereinigten Werkstätten“ in der
feudalen  Briennerstraße. In der weißblauen Metropole mehrt seinen
Immoblien-Besitz mit der gleichen Intension wie die katholische
Kirche. Da besteht geradezu ein ständiger Wettlauf zwischen dem Klerus
und dem Bankier. Wer zuerst am Objekt ist, schlägt zu. Am
Promenadeplatz gehört ihm eine ganze Häuserzeile, wo unter anderem
auch der Frauen-Flüsterer Gerhard Meir  seine Verschönerungs-Oase
betreibt.In Münchens goldenem Stadtkern ist der rege Jubilar mit Grund
und Boden massiv vertreten, wie der glückliche Monopoly-Spieler, dem
die „Schloßallee“ und „Parkstrasse“ gehören. Der bayerische
Immoblien-Reichtum war früher noch eine Zeitlang größer, als der
schwarze Baron die „Löwenbräu“ kaufte, und den wie bei jeder gesunden
Münchner Brauerei einverleibten Immobilien-Schatz heraustrennte und
veräußerte. Somit  erhielt der Finanz-Fuchs, der jetzt in Zürich den
Schweizer Geldsäcken das Fürchten lehrt, die weißblaue
Traditionsbrauerei als „Geschenk“. Wer Fincks oft überraschende
Aktien-Schachzüge mitbekam, war nie schlecht beraten, nachzuziehen,
wie im Fall „Mövenpick“. Wegen seiner  eidgenössischen Transaktionen
ist der 80jährige Franken-Jongleur oft Held in den Schlagzeilen der
stockseriösen Blätter wie „Neue Züricher Zeitung“ und „Tagesanzeiger“.
Er kontrolliert den Maschinenbauer Von Roll, hat Beteiligungen an
Alusuisse-Lonza und am Mischkonzern Oerlikon-Bührle. Vor 20 Jahren
verkaufte August von Finck, dem die Isar-Amper-Werke gehören, sein
Münchner Bankhaus „Merck Finck & Co für geschätzte 300 Millionen Euro
an das englische Bankhaus „Barclay“. Das Gebäude des Geldinstituts am
Maximilianplatz gab er aber nicht her.

Wenn Reben- oder Gerstensaft Fincks fast preußisches Auftreten
entschärfen, kann es sogar passieren, dass der Bankier, der eigentlich
Bauer werden wollte, einen wie mich auch mal brüderlich umarmt. Bei
Schulfesten haben er und seine Frau sogar Sinn für Maskerade und waren
als Clowns verkleidet im Münchner „Hilton“ nicht zu erkennen. Als
Mäzen zeigt der Mann, der neun Nullen vor dem Komma hat, ein großes
Herz, wenn er als Spender geheim bleibt. So nahm er  seinen
Vornamens-Vetter, den Intendanten August Everding ,beim kulturellen
Pflegefall „Prinzregententheater“ in die totale Schweigepflicht. Herr
von Finck spendet, will aber damit nicht kokettieren .

Kommentare (1) zu “80:GUSTL,DER MANN MIT DEN NEUN NULLEN VOR DEM KOMA”

  1. eine Nacherbin sagt:

    Sie schreiben so versucht vornehm: Herr von Finck spendet.

    Es gibt einen Unterschied zwischen spenden und kaufen.

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