WIGGERL HAGN’S GEHEIMER 70.

Wiesn-König feiert mit 25 Freunden seinen runden Geburtstag im Austernkeller. Ein Oktoberfest-Kollege vergisst den Termin.


MÜNCHEN – Als „Feier zum 3. Advent“ tarnte Wiesn-König   Wiggerl  Hagn,
Dienstältester der bekanntlich unter Artenschutz stehenden
Oktoberfest-Barone, sein  Fest  zum 70. Geburtstag. Er gestaltete das
runde Jubiläum als kleinen Festschmaus mit Lachs, Scampi in Sesam ,
und gebratenenes Dorade-Filet „Royal“ in Alexander Knobls
„Austernkeller“ .  Eigentlich ein Menü wie am Aschermittwoch, aber
Wiggerl  scheint Fisch zu lieben

.
Fünfundzwanzig  Hagn ganz am Herzen liegende Mitmenschen waren für die
abendliche  ”Ratscherei” auerkoren , darunter  Tochter Steffi und die
exotische Orchesterchef-Witwe Sonir Högl sowie gerademal  zwei
Kollegen  aus der Zunft wie Helga Kreitmair ( früher “Winzerer
Fähndl“) und  Artur Fichtl, ganz früher Hausherr des „Hackerzelts“,
das jetzt seit zwanzig Jahren fest in der Hand des
Wiesn-Wirt-Sprechers Toni Roiderer ist.  Ein dritter der Gilde stand
noch auf der Gästeliste, der gutmütige und großzügige Supergastronom
Hermann Haberl („Chinesischer Turm“, „Ochsenbraterei“, „Reitschule“,
Bierzelte in Bordeaux). Doch Hermann  blieb verschollen und der
Cocktail  zog sich in die Länge, bis schließlich Hagn zum Handy griff.
Es folgte ein kurzer Wortwechsel und ein lachender Aufschrei, dann
ließ der Gastgeber den Service für das Abendessen starten. Haberl
hatte den  Geburtstagstermin glatt  vergessen. Wiggerl  nahm es
gelassen:“ Ab einem bestimmten Alter kann das leicht passieren“.

Ein Mann wie Wiggerl, seit 54 Jahren auf dem Oktoberfest zu Hause und
seit 1979 Chef des „Löwenbräu“-Zelts, in dem Wirtschafts-Löwen wie
Baron August von Finck wie die Münchner Fußballl-Löwen zu den
Stammgästen zählen, hätte die runde Zahl  seiner Lebenslinie
bombastisch feiern können. Der Träger von “München leuchtet” zieht den
leisen Weg vor.

Wenn es nach seinem Vater, Wirt des „Rheinhofs“ am Münchner
Hauptbahnhof,  gegangen wäre, hätte er Tierarzt werden müssen. So
mußte er in den Ferien ein Praktikum bei einer Münchner Tierärztin
machen. „Da hamm ma die Katzen vom O.W. Fischer sterilisiert. Des hat
so gestunken, dass es einen fast umgehaut hat.“, erzählt Hagn. Als
aber der Papa mit 48 Jahren an Krebs starb, kam alles anders. Der
16jährige sprang bei Mutter Berta in der Wirtschaft in der
Bayerstrasse ein.

Den „Rheinhof“ gibt es nicht mehr. Hagn ist heute Hausherr des
urigen  Münchner Lokals „Unionsbräu” in Haidhausen, eine
Liebhaber-Wirtschaft, wie er sie nennt, wegen der hauseigenen Brauerei
im Keller, die sich gewinnbringend in Grenzen hält. Seit er
offizieller Löwenbräu-Festwirt ist, trägt er übrigens seinen
aufdrahten 3-Zentimeter-Bart, der ihm täglich bei der Morgen-Toilette
ungefähr zwei Minuten „Dressierarbeit“ kostet.Der Gesichtsschmuck
entstand beim 60. Geburtstag von Gastronom Willy Heide. “Mir Wirte san
als Schankkellner aufgetreten. Die meisten hatten sich einen Bart
angeklebt. Ich ließ mir einen wachsen und habe ihn nicht mehr
abrasiert”, verriet Wiggerl Hagn.

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