Münchens paradiesischter Platz des Weißen Sports ist die Anlage Großhesselohe. Trauerweiden als natürliches Tribünendach, sogar die Isar macht eine Verbeugung beim Vorbeifliessen des exklusiven Clubs. Cracks emanzipieren sich mit Lustlauten und schieben es auf eine verbesserte Atemtechnik.
MÜNCHEN - Wie BMW und Mercedes konkurrieren seit Jahren Iphitos und Großhesselohe um das ehrenvolle Placement: Wer ist der feinere Club Münchens?
Um im Bild zu bleiben: Iphitos, die „Weißer Sport“-Adresse am Rande Schwabings steht für BMW, weil dort auch das gleichnamige Open abgewickelt wird, und der Tennis-Circle Großhesselohe für Mercedes, wo der Herr über 16 rote Sandplätze und vier Spielflächen zutreffend Benz heißt. Vom Mitglieder-Karat und der Lage in Villenvierteln nehmen sich die beide Münchner Aufschlag-Arenen nichts, wohl aber in puncto Schönheit. Leo Benz, das tatkräftige Herzstück des Vereins, der auch gut in einem Western von Clint Eastwood mitwirken könnte, hat das große Glück, dass der „Tennisclub Großhesselohe“ als Ganzes eine Münchner Feinheit ist. Der Herrgott wickelte den friedlichen Kampfplatz idyllisch ein – ein Großstadt-Dschungel mit schattenspendenden Trauerweiden, wo die Zuschauer wie unter einem Tribünendach sitzen. Riesige Rotbuchen krönen den alten Baumbestand. Die friedliche Ruhe wird nur durch die Musik der vorbeischwimmenden Flöße, der S-Bahn und neuerdings vom Stöhnen männlicher Tennisspieler gestört, die mit Schlafzimmer-Lauten wie früher nur Monica Seles oder Serena Williams nerven. Ganz praktisch ist die Nähe zur Waldwirtschaft, wo Frust ertränkt und Durst gelöscht werden kann.
Die 20 000 Quadratmeter-Anlage liegt zwischen der Geheimdienstzentrale BND in Pullach, die Steuergelder verprassend unnötig nach Berlin verlegt wird, und einer Allee von Birken entlang der Isar, die neben dem „TC Großhesselohe“ eine geziemende Verbeugungsschleife fließt. Ich war früher öfters in diesem Schmetterball-Stadion, als sich Ballbuben noch einen „Heiermann“ als Taschengeld verdienten. Nicht wegen des Tennissports, sondern nur wegen des Essens. Die ausgezeichnete, aber auch resolute Clubhaus-Wirtin Ilse Kutin, verwandelte das Vereinsheim in ein Restaurant mit Sterne-Niveau, was bald zu einem Interessenskonflikt führen musste. Der verschwitzte Spieler fremdelte an weißgedeckten Tischen mit frisch polierten Riedel-Gläsern und ihm wurde wenigstens am Kamin eine Raststätte zum sportlichen Abspannen eingeräumt. Die Kochlöffel-Queen hat das Feld verlassen , den „Bogenhausener Hof“ übernommen und als Glanzgaststätte verkauft, um jetzt genießerisch Däumchen drehen zu können.
Den Herd im Clubhaus dirigiert seit zehn Jahren der Italiener Gino Ricchio aus Calabrien, der wegen seiner großen Liebe in München hängengeblieben ist und dessen Clan in der benachbarten Gegend Italo-Restaurants betreibt. Gerade wurde auf der Anlage ein Turnier der zweiten Bundesliga ausgespielt und der Wettbewerb gegen TC Wolfsberg Pforzheim vom TC Großhesselohe mit 6: 3 gewonnen. Präsident Dipl. Ing. Leo Benz, der früher mit Zettler-Anrufbeantwortern ein Vermögen machte und auf dessen Visitenkarte als Berufsbezeichnung „Realitätenbesitzer“ steht, schmunzelte zufrieden als ihn Helmut Schmidbauer, Präsident des Bayerischen Tennisverbandes, beglückwünschte. Der Hausherr, lässig in Jeans und Jeans-Hemd, ist schon so lange mit dem weißen Sport verbandelt, dass er noch Tennis-Legende Gottfried von Cramm mit langer Hose spielen sah. Rund 300 Besucher, darunter auch ein paar hübsche Girls, deren einziger Aufschlag der Augenaufschlag ist, verfolgen die Einzel- und Doppel-Spiele. Liz Taylor, bürgerlich Christine Lurz sitzt in der lichtdurchflutenden Geschäftsstelle freut sich über die vielen „Zuschauer an einem normalen Freitagnachmittag“. Die Seele des Platzes, war Jahre vorher noch bei der Konkurrenz „Iphitos“, wo damals Präsident und Banker Dr. Erich Schmidt über strenge Sitten wachte. Mir rief er mal über den ganzen Platz zu, dass ich mit meiner roten, kurzen Hose, Geschenk einer Freundin, nicht spielen darf.
Aus 950 Mitgliedern besteht die illustre Familie des TC Großhesselohe. Prominentester Spieler dürfte Siemens-Vorstandsvorsitzender Peter Löscher sein. Die Anlage hat schon viel Tennis ertragen und der „M“-( Meister)-Platz ist aber gerade für 90 000 Euro mit einer neuen Tribüne ausstaffiert worden. Tennis-Crack Thommy Haas , Ex-Mercedes-Chef Jürgen Schrempp , August von Fincks Immobilien-Stratege Dieter Bleicher und Ex-Aussenminister Klaus Kinkel gehören zur Gemeinde wie auch die muntere Jetset-Praline Sandy Meyer-Wölden, deren verstorbener Vater zu den Männern der ersten Stunde zählte. Vom benachbarten Geheimdienst schlagen selbstbewußt auch ein paar Agenten auf, die im Club bekannt sind, aber in Pullach andere Namen tragen . Ganz stolz ist der Verein auf Dominik Schulz, mit 17 Lenzen die Nr. 1 der europäischen Jugend-Rangliste und Sohn des Platz-Trainers Karsten Schulz. Mittendrin und nicht nur dabei zeigt sich Sender-Slogan gerecht DSF-Tennis-Experte und Ex-Spieler Sascha Bandermann.
Filmproduzent Horst Theilemann war ein langjähriges Vereinsmitglied und bekannt für Pfennig-Filettieren. Einmal bei einem Bundesligaspiel wollte er das Ticket sparen und stieg im hinteren Bereich über den Zaun. Dabei zerriss die Hose und er verlor die Brille. Anschließend machte er die entsetzliche Entdeckung, dass für ihn als Mitglied der Eintritt frei gewesen war.





Hallo Herr Graeter, gratuliere zu Ihrer ehrliche Bio, die ich mit viel Brancheninteresse gelesen habe.
Frage: Möchte schon lange Muammar oder seinen in Ihrem Buch zitierten Sohn interwiewen..hätten Sie Kontakte? Komm einfach nicht an die Herren ran, obwohl der Papa Großaktionär von Fiat ist, wie Sie richtig schreiben. Dies wäre in Italien sehr interessant. Liebe Grüße Benno