Der Münchner Pelzdesigner hat Hochbetrieb angesichts der bevorstehenden Saison in St. Moritz. Die Ladies wollen im neuesten Zobel- oder Nerz-Look glänzen. Wärmen soll er natürlich auch.
MÜNCHEN - München, Diva unter den deutschen Großstädten, geht nie der Stoff aus,
wenn es um gesellschaftliche Paradiesvögel geht. Albert Fröhlich, der
Daniel Düsentrieb der Pelzmode, ist so einer. Wenn er in Paris leben
würde, würde er längst zur Garde der ganz Großen zählen. Aber
Nerz-Zar Albert, der ein Gesicht hat, das nur die Mutter lieben kann,
hat sich da wie Karl Valentin verhalten. Der wäre auch außerhalb der
bayerischen Metropole ein internationaler Star geworden , blieb
aber seinem München treu. Vor 25 Jahren bin ich erstmals dem
eigenwilligen Designer auf den Pelz gerückt und gestern habe ihn nach
langer Zeit in seinem neuesten Kreativ-Nest im Residenz-Viertel
aufgestöbert. Nach sieben Atelier-Umzügen ist er unter den Arkaden
neben der Theatiner-Kirche einigermaßen sesshaft geworden.
Der zynische Erfindergeist lässiger Rauchwaren-Designs hat sich kein
bisschen verändert, ist immer noch standhafter Junggeselle mit
„gelegentlichen“ Unterbrechungen und stellt immer noch scheu sein
Licht unter den Scheffel. Er trägt wie früher die lockigen Haare
schulterlang und sein schwarzes Outfit mit dem leichten Grauglanz,
das die Spuren vieler Handarbeit verrät. (oder soll) Immerhin konnte
ich dem sonst so verschwiegenen Künstler, der nur Fendi als
Konkurrent gelten lässt und alles andere für schrecklich hält , den
Namen von zwei illustren Kunden entlocken.
Für den großen Maler Anselm Kiefer und seiner Frau Renate Graf hat er gerade
deren Designermäntel von Prada und Jamamoto mit schwarzen Nerzen
„getunt“. „Schwarze Samtnerze, gerupft und geschoren, ein herrliches
Gefühl, wenn man allein mit der Hand über die rasierten Felle
streicht“, sagt Albert inmitten seines mit weißblauen Glashimmel
überdachten Salons voller russischer Zobel (15 000 bis 100 000 Euro)
und Nerzen ( 5000 bis 28 000). Bei seinen Preisen hat er noch
niemandem das Fell über die Ohren gezogen. Fröhlichs Schnitte sind so
genial, das sich vor ein paar Jahren ein Münchner Pelzgeschäftsinhaber
mit der kompletten AF-Kollektion ausstattete und sich damit als
Designer mit fremden Federn im österreichischen Fernsehen schmückte.
Das eigenwillige Pelz-Palais ist hermetisch abgeschlossen und nur per
Summer zu betreten. Schöne Ladies, die sich für St. Moritz und
Kitzbühel mit dem neuesten Pelz-Look rüsten, geben sich die Türklinke
in die Hand. Für Lady Kiefer hat Fröhlich bereits einen russischen
Breitschwanz gefertigt und dafür einen Dankesbrief erhalten:“ Dieser
Winter war gemacht für Ihren Mantel, der sehr schön ist.“.
Solche Zeilen schmeicheln den Meister. Wenn er an der Ladenkasse
sitzt, nehmen seine zwei gestreiften Hunde vor den Füßen Platz.
“Solche Frauen hätt’ ich mir immer gwunschen”, lästert der Kreateur.
Seine Vierbeiner heißen Wowereit und Westerwelle. Es sind, laut seinen
Angaben, zwei schwule Kavalier King Charles-Spaniels, die Albert auf
Schritt und Tritt begleiten. Nur wenn der Designer zum Essen ins
„Schumann’s“ geht, müssen seine zwei Lieblinge den Hofgarten bewachen.



