Die bayrische Metropole führt im gesellschaftlichen Vergleich mit Berlin und Hamburg. Kir-Royalisten gibt es auch im 21. Jahrhundert.
MÜNCHEN/ BERLIN/ HAMBURG – Jahrzehnte lang war das Lokal ein Schläfer. Es hieß „Waldheimer“ und wurde im Häuserwald der Münchner City vergessen. Dann küsste ein gut aussehender Pizzabäcker die Dornröschenadresse wach und seit einem Jahr ist sie der Burner. Nun glitzert es in der grauen engen Betonschlucht einer Bankpassage gegenüber dem Hotel „Bayerischer Hof“. Das Wunder gelang Ugo Crocamo, den die Nachtschwärmer als fleißigen Pizzabäcker-Untermieter vom „P 1“ kennen. Eine gastronomische Auferstehung wie nur in München möglich. Die selben Quadratmeter, gestern noch vereinsamt, sind heute tagtäglich überlaufen, seit das Lokal „H’ugo’s“ heißt. Der alte Boden wurde über Nacht heiß und die Schönen, Reichen und Sorglosen zelebrieren dort ihren Auftritt, auch auffallend viele Autohändler.
Am langen Tisch gegenüber des Pizzaofens halten die Starkicker Luca Toni, mit den Armen wild gestigulierend, und seine Spezis Massimo Oddo sowie Franck Ribery Hof, auf der ( neuerdings genehmigten) Terrasse sitzen auf wetterfestem Rattan-Gestühl Günter und Inge Draetzel, einst Besitzer der Schwabinger Trendboutique „Lord John und Lady Jane“, bei denen sich von den siebziger Jahren bis 2001 illustre Zeitgenossen wie Mirja Sachs, Bianca Jagger, Bonnie Tyler, Rod Stewart oder Brian Ferry die Türklinke in die Hand gaben. Als der Mode-Lord noch eine zu Berge stehende Jimmy Hendrix-Frisur trug und Lady Inge eine feuerrote Löwenmähne, waren alle scharf auf ihr oft kopiertes aber nie erreichtes Label „Lily Farouche“. Heute trägt das Designer-Couple a.D. sein Haupthaar gezähmt. Es hat Chianti bestellt und Entrecote, „bitte durch“ und kommt kaum zum Essen und Trinken vor lauter Staunen angesichts des kunterbunten Auftriebs der Boys und Girls in ihren chicen und verrückten Outfits – Vintage und ganz wenig Textil. Es gibt an diesem Abend nichts zu feiern,aber für „H’ugo’s” bretzelt man sich halt auf. Die Jeunesse Dore läuft vollzählig ein, daneben auch Münchner Alt-Raben mit leicht müdem Blick, in vermeintlich verjüngenden Waschgang-Jeans und mit Seidenjacketts in leuchtendem Rot, Gelb oder Grün.
Einer der Matadore der neuen Kids-Szene heißt Michael Beier, 26 Lenze und Pharma-Erbe, dem sein Papa die Firma „Tiroler Nussöl“ kaufte, damit er sein kaufmännisches Talent unter Beweis stellen kann. Die anderen sind der „Audi Q7“-fahrende Discountkleider-Nachfahre Daniel Schustermann, Anwalt-Junior Roman Libbertz, der Bücher schreibt und Nachtclubs steuert, Motorrad-Freak und Schauspieler Max von Thun, der gerade Anwaltstochter Sandy Meyer-Wölden Schauspielunterricht erteilt, weil eine Rolle in „Sturm der Liebe“ frei wurde, Berater-Spross Oliver Berger , bereits verheiratet mit Ex-TV-„Peep-Show“-Girl und „Spiegel“-Redakteurin Verena Araghi, die ganz praktisch gleich ein Kind mit in die Ehe gebracht hat,, Jungproduzent Quirin Berg („Oscar“-Film „Das Leben der anderen“), Leihwagen-Jung-Pascha Konstantin Sixt, „Bayern“-Jungblut Roman Rummenigge, der Spieler vermittelt, sowie die singenden Söhne von Uwe Ochsenknecht mit den klingenden Namen Jimmy Blue und Wilson Gonzales. sowie Tobi Wilmes, Junior des HNO-Stars Prof. Dr. Eberhard Wilmes (Schwabinger Krankenhaus). Zur neuen Kir Royal-Generation gehören auf der weiblichen Seite Sarah Herzsprung, jüngere Tochter der schmerzensgeldpflichtigen Mutter, die pflückbaren TV-Rätsel-Blumen von „9 live“, Sandra Ahrabian, vorerst noch ohne einen Abraham , und Tina Kaiser, blond, sowie Isabell Vatter (Strumpf-Dynastie) und Schauspielerkind Laura Janson.
Der Rundlauf-Zirkus in der weißblauen Metropole ist ohne die smarten Münchner Fleisch-Spezialisten Toni und Martin Anzenberger nicht auszudenken, deren Charme in geziemender Reihenfolge auch schon mal die quicklebendige, milliardenschwere Goldtochter Elisabeth Flick erlegen ist als sie noch nicht Prinzessin von Auersperg hieß. Als tragende Stützen der jungen Münchner Nachtprinzen-Szenerie erscheinen zudem die Milliarden-Erben Christian und Florian Schnitzenbaumer, deren fuchshafter Vater Otto vor Jahren das Hotel „Holiday Inn“ in Schwabing startete, das nahmhafte Lebensgeniesser trotz überbreiter Besucherritze als Wellness-geeignet befand, obwohl man sich in den Betten nicht sonderlich gut ausbreiten kann.
Gaudi und ein bisschen Gaunerei, aber vor allem Geist, Glanz und Genuss prägen München, die Weltstadt mit Herz und Nerz. Beim jährlichen „Salvator“-Anstich auf Münchens Bierhügel Nockherberg erscheinen rund 600 Herren – neuerdings kommen immer mehr Damen dazu – die politisch und wirtschaftlich das Rad drehen. Sie gehören zum Netzwerk der unterschiedlichen Society-Szenen und sind untereinander verbunden. Dadurch entsteht flächendeckendes Vitamin B und Unmögliches wird möglich gemacht. Seismographisch wird registriert, wer mit wem, wer auf wem, wer unter wem und wer nicht mehr mit wem. Stammtische sind die Zapfsäulen aktueller Wissensstände. Im über hundert Jahre alten „Bratwurstglöckerl“ steht so eine Verschwörungstafel, an der sich niemand niederlassen darf außer der kernige Achterbahn-Unternehmer Rudolf Barth mit Junior Otto, Christian Udes betuchlicher Referent Hansi Eichstätter, SPD-Politiker Hermann Memmel, Brillenkonsul Peter Soehnges und Häuserbaron Walter Hammele. Ein anderes wichtiges Rundmöbel steht im Kultbierkeller „Augustiner“. Bei schlechtem Wetter ist es der „Gantertisch“ links am Eingang, bei schönem Wetter residiert die verschworene Gemeinschaft unter der großen Kastanie. Neben Ex-Richter Dr. Christian Dörge und Johannes Gutenberg-Nachfahre Lullu Stummer sowie Scheidungsanwalt Hermann Messmer sitzt dort Bankier Thaddäus Joseph Kühnel, ein guter Freund von Papst Benedikt XVI. den er jeden Monat in Rom besucht.
Wegen der besonders breiten gesellschaftlichen Palette ist München mit seinen einzigartigen Prachtboulevards wie Leopold- , Ludwig-, Brienner- und Maximilianstraße ungebrochen die Nummer eins in der Championsleague der deutschen Cities. Die kerzengerade zum Landtag führende , exklusive Shoppingpromenade „Max“ , wo immer freitags Deutschlands bekanntester Körperschneider Prof. Werner Mang in einer Partner-Praxis die Fassaden der Damen verschönert, präsentiert sich erstmals mit ihren neugotischen Bürklein-Fronten ohne Baustelle und ohne Makel – Mehrscheiner Moshammer gibt’s schon lang nicht mehr. München ist eine Diva. Mit viel Unterrock. Die Möchtegern-Hauptstadt Berlin hingegen kann sich noch so mit Marketing und Filmkulisse anstrengen und den „roten Teppich“ ausrollen, aber kompakt und gewachsen wirkt die zurückgeholte Großversion der Stadt noch lange nicht. Sie gibt sich eher wie eine Monster-„Bauma“, bei der sich zwar Weltarchitekten verwirklichen konnten, aber kaum einheimische. Wo befindet sich die gesellschaftliche Szene vom neuen Berlin ? Zu allem Pech regierte zum Wiederstart die SPD und die versteht nicht viel von Society. Jeder Stadtteil hat sein eigenes Kir Fatal. Das neue „Adlon“, als Spielfläche für exklusive, internationale Events gedacht, aber wohl in der Wäsche eingegangen, hätte ruhig großzügiger ausfallen können, so wie die Hotels in New York oder London . Die gesamte gastronomische Präsenz ist enttäuschend . Berlin hat viele Lokale, aber wenige, wohin man wirklich gehen kann. Da gibt’s gerade mal fünf Restaurants, die permanent in den Medien bemerkt werden. Am häufigsten ist es das „Borchardt’s“.
Das Mode-Lokal, das Currywurst-Genießer Gerhard Schröder und Joschka Fischer (Ausbildung: Taxifahrerlizenz – Krönung der Karriere: “Gast-Professor” an der amerikanischen Elite-Uni Princeton, dessen Lehrstuhl von Liechtenstein gesponsert wurde) gern aufsuchten, würde in München kaum überleben. Der Kollege des Restaurants „Lutter und Wegner“, im Osten weiß bereits, dass im Wettkampf mit den Platzherren in München nicht gut Kirschen essen ist. So wird die „Lutter“-Filiale 2 im „Künstlerhaus „ gegenüber der Börse am Stachus nicht unbedingt von Gästen überrannt. Das hatte sich Besitzer Josef Laggner anders vorgestellt. Zuviel weißblaue Mitbewerber schöpfen den Rahm ab. Die bayerische Landeshauptstadt und das Umfeld kann für sich in Anspruch nehmen, die meisten Restaurants mit Sternen zu haben und dass hier der Ursprung der deutschen Genuss-Revolution seine Urständ feierte: Essen , nur zur Befriedigung des Hungers wurde kaltgestellt, raffinierte Küche und immer bessere Produkte leiteten den Orgasmus am Gaumen ein. Deutschland hat diesen feinen Zug des Lifestyles dem Münchner Bau-Verbandschef Fritz Eichbauer zu verdanken , Besitzer der Fresskirche „Tantris“, seinem Hobby-Restaurant in Schwabing , wohin er den Hamlet am Herd, Eckart Witzigmann holte, der vom „Michelin“ mit drei Sternen, der höchstmöglichen Auszeichnung, belohnt wurde. Die Stadt hat ihm die kostenlose Image-Pflege nicht gedankt. Er bekam nicht mal eine „München leuchtet“-Medaille überreicht. Seine 1 Gramm große Feinstaub-Bagatelle haben ihm Bedenkenträger bis heute nicht verziehen. Der spätere Nachfolger in dem Gourmet-Tempel mit 22 Koch-Arbeitsstellen, Hans Haas, muss allerdings den „Michelin“-Kollegen aus irgendeinem unerklärbaren Grund im Magen liegen, sonst würden sie den besten Koch Deutschlands in einer Großstadt wie München seit Jahren nicht nur mit zwei Sternen segnen. Drei Sterne auf dem Land zu erkochen, gewinnmissachtend meist als PR-Unkosten eines Hotels verbucht , sind ein Kinderspiel. In Dauer-Ungnade beim „Michelin“ befindet sich auch Münchens Schmuckkästchen-Lokal „Grüne Gans“, das den letzten Glanz aus alten „Humplmayr“- und „Schwarzwälders“-Zeiten hinübergerettet hat. Die Gastro-Bibel behandelt das winzige Restaurant höchst merkwürdig. Es ist keine Ente, wenn Traumköchin Inge Stollberg sagt, dass ihre „Gans“, die sie seit über vierzig Jahren führt, noch nie genannt wurde. Ex-Kaiserin Soraya dinierte dort, und ihr Münchner Vertrauter, Stahlunternehmer Martin Glässel, noch heute. Jetzt sind es Prinzessin Christa von Preussen, Musik-Manager Hans R. Beierlein und Getränke-Gent Dieter H. Asbach.
Zugegeben oder nicht: Berlin, wo es mehr asymmetrische Haarschnitte und Menschen mit Nordic Walking-Stöcken und Rucksäcken gibt, schaut gern über den Zaun, was sich in München tut, und Hamburg reizt das weißblaue Treiben besonders. Monaco, wie die Italiener Bayerns Metropole nennen, ist stets im nachbarlichen Focus. Man verdammt zwar sogenannte Schicki-Mickis, scheint aber stets auf dem laufenden zu sein, was im Süden „die Deppen der Nation, die Bayern-Seppls, so machen, die sich nur von Leberkäs und Bier ernähren“. Unglaublich viel Respekt zollten die patentamtlich verbürgt steifen Hanseaten dem Auftritt des quirrligen Münchner Figaros Gerhard Meir, als er seinen ersten Auswärtsschneideplatz im Hotel“ Atlantik“ eröffnete. Die Damenwelt schmiss sich für das Friseurladen-Opening so ins Festtagsgewand , als würde man die Bayreuther Festspiele besuchen. Um Gerhard, der durch seine haarsträubenden Turmfrisuren auf dem Kopf von Fürsten Gloria von Thurn und Taxis bekannt wurde, ist es etwas stiller geworden. Er hat sich in seine Münchner Stammstätte zurückgezogen, währenddessen eine neue Generation an der Münchner Haarspitze angetreten ist. Ralf und Robert Bash, die wohl einzigen heterosexuellen Männer mit den Scherenhänden, legen Hand an bei den schönsten Köpfen der Stadt in ihrem zweietagigen Beauty-Palais gegenüber der berühmten Asamkirche. Das eigenwillige Haarspalterduo erfand die Stromschlagfrisuren von Oliver Kahn sowie Bastian Schweinsteiger und bei der internationalen Hair-Convention 2009 in Barcelona wurde Robert vom berühmtesten Hairstylisten Vidal Sassoon belobigt. „Ich habe in meinem Leben schon lange keinen mehr gesehen, der so gut schneiden kann“, sagte Meister Vidal, der einst die Markenzeichen-Frisur von Audrey Hepburn kreierte.
Während man von der Elbe aus die reiche Szene Münchens als „Leichtmetall“ belächelt und alle gesellschaftlichen Absonderlichkeiten als peinlich abstraft, erzählt man jedem gern und eindringlich, dass die Hamburger Gesellschaft eine geschlossene sei, in die man nicht leicht hineinkomme, man den Reichtum verberge und Auffälliges meide. Diesen Typ Mensch gibt es in München auch, wenn nicht sogar in weit größerer Anzahl, aber der Bayer kokettiert nicht mit grauer Diskretion. Niemand , außer dem Grundbuchamt, kennt die Namen der milliardenschweren Besitzer der Häuserzeilen in der Kaufinger- und Neuhauserstraße. Die Eigentümer leben hamburgisch zurückgezogen, unentdeckt und unerkannt wie einst Howard Hughes. Wer ist zum Beispiel Alexandra Biehler? Die gutaussehende, pfiffige junge Dame ist einer der Münchner Innenstadt-Multimillionäre. Das sechs Stockwerk hohe Geschäftsgebäude gegenüber dem Münchner Rathaus ist ihr Eigen sie und könnte dem Oberbürgermeister in seinem Amtszimmer auf die Finger schauen. Auf dem Dach ihrer Edel-Immobilie betreibt sie das „Dauerbrenner“-Cafe „Glockenspiel“ mit Panoramablick zum Marienplatz und im Erdgeschoss ein modernes asiatisches Restaurant. Beide hervorragend laufende Gaststätten führt Goldtochter Alexandra allein, verdeckt und leise. An Ostern lud sie ein paar Bekannte in ihre Villa in Bogenhausen zur Party, über die übrigens kein Wort in irgendeiner Münchner Zeitung stand. Gerade so wie bei Springers, Jahrs, Ottos oder Bismarcks in Hamburg.
Die richtig gespickten Münchner haben verschwiegene Adressen in München und wohnen am Starnberger- und Tegernsee. Es kann einem passieren, mit Karl Albrecht („Aldi Süd“) oder Otto Beisheim („Metro“) bei einer Maß Bier am Tisch zu sitzen auf einem der Waldfeste, die an den Wochenenden im Tegernseer Tal unter freiem Himmel auf Bierzelt-Mobiliar stattfinden. So getarnt volksnah gibt sich Baron August von Finck nicht, mit Großanwesen in München und am Starnberger See daheim. Der Bankier und „Moevenpick“-Großaktionär hat einen Hubschrauberschein und fliegt mit dem Heli von Haus zu Haus. Die Plage Verkehrsstau betrifft ihn nicht. Anscheinend wegen Herzschmerzen will Sportwagenhersteller Wolfgang Porsche, Aufsichtsratsvorsitzender des Konzerns, nicht mehr länger in München leben, wo er eine maßgeschneiderteTraum- Villa in Bogenhausen besitzt. Er geht nach Stuttgart, wo seine neue Lebensgefährtin Claudia Hübner zu Hause ist und will wohl die Münchner Adresse vergessen und an nichts mehr erinnert werden, was mit der Trennung von seiner zweiten Frau Susanne zusammenhängt. Später plant Porsche nach Österreich zu ziehen, wo er das Schloß Prielau besitzt. Der Porsche-Primus ist übrigens einer der ganz wenigen Zeitgenossen, die dem lifestyligen München aus privaten Gründen den Rücken kehren. Auch bei der Fernweh-Sendung, in der Menschen aus Deutschland wegziehen, sieht man nie einen Münchner – nur Ossis oder Assis. Voll Freude zieht Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser in den Münchner Herzogpark. Der mit viel Wegegeld verabschiedete Industrie-Manager kaufte sich für circa 6 Millionen Euro eine Penthouse-Wohnung, gleich in der Nachbarschaft von Aktenzeiche XY-Eddie Zimmermann. Er lässt sie gerade ausbauen und kann die Fertigstellung kaum erwarten. Die Herzogpark-Qualität weiß Joachim Thyssen, Bruder der Begum, Noch-Ehefrau von Ismaelitenführer Prinz Karim Aga Khan, ebenfalls zu schätzen, der mehrere „McDonalds“-Restaurants betreibt und Mitbesitzer der gehobenen Selfservice-Kette „Vapiano“ ist. Ein anderer Nachbar muss dagegen auf das süße Leben in Münchens Desperates-Housewives-Quartier verzichten. Eine Straße weiter wurde der Deutsche-Bank-Finanzkünstler Dr. Jürgen Schneider, der für sein monarchisches Bau-Verhalten einen Denkmalschutzorden in Gold verdient hätte, um 7 Uhr früh rüde aus der Luxus-Dachwohnung (mit Swimmingpool) geholt. Möbelwagen ohne Aufschrift fuhren vor und ein Notarztwagen, der Schneider im Rollstuhl abtransportierte. Das Penthouse gehörte seinem Sohn, der in Zahlungsschwierigkeiten geriet und dem das Appartement gepfändet wurde. Zunächst taten sich die Behörden mit Maßnahmen schwer, weil Schneider Junior die Bleibe seiner Schwester übergab, die sie an ihren Vater verlieh.
Auf den swingenden Stadtteil Schwabing, früher „Wahnmoching“ genannt, schwören „Türkische Früchte“-Produzent Rob Houwer, der Underground-Filmer Klaus Lemke, der Zeit seines Lebens ein spartanisches Appartement bewohnt und neuerdings auch Weltstar Mario Adorf, der gleich beim Siegestor mit seiner Frau das Domizil aufgeschlagen hat wo nicht weit davon entfernt die Filmszene Münchens leuchtet. Weiter westlich von der Stoßburg in der Ainmillerstraße - wegen der lebenslustigen Single-Bewohner so genannt – gerät man ins „Kir Royal“-Nest von Regisseur Helmut Dietl und der Edelfeder Patrick Süskind („Parfüm“). Spätestens an den Türklingeln kann man die „Alle unter einem Dach“-Idylle erahnen. Süskind und Lebensgefährtin leben jeder für sich in rückzugsfreundlichen Appartements und haben ihren gemeinsamen Sohn Jacob abwechselnd zu Gast. Dietl, der früher mit Veronica Ferres, ebenfalls in separaten Wohnungen, ein entspanntes Leben zu zweit auskostete, hat diese Daseinsform aufgegeben, seit er mit Ehefrau Tamara verheiratet ist. Helmuts neuer Hauptdarsteller n der geplanten „Kir Royal“-Fortsetzung Michael Bully Herbig lebt wesentlich mondäner. Er tauschte seine Münchner Glasscherben-Idylle gegen eine Luxusvilla a la Beverly Hills aus, die er in Straßlach bauen ließ.
Die malende Zunft ist über ganz München verstreut, wobei die Bilderkünstler und Skulpteure, die im Dunstkreis des Haus der Kunst mit Ausstellungen und Partys agieren, als die neuen Stars gelten. Von Konstantin Grcic, der als Möbeldesigner begann, hängen Kunstwerke in New York und London, Florian Süßmayr zerstreut sich am liebsten im unauffälligen „Lindwurmstüberl“ und Martin Wöhrl ist nicht nur ein gefragter Bildhauer, sondern auch ein bekannter Gerstensaftkiller. In der Au, in Garagen und Hinterhöfen der Geyerstraße hat sich eine Künstlerszene gebildet, wie sie früher in der Hohenzollernstraße existierte. Im „Botanikum“ teilen sich Palmen mit Pinselspezialisten die 10 000 Quadratmeter von Heinrich Bunzels edlem Dschungelcamp. Der Hausherr ist Großgärtner und Erfinder der Airfield-Kreationen auf riesigen Getreidefeldern. Untermieter in der partyfreundlichen Kolonie sind die Maler Josef Bauer, Jakob De Chirico und Theo Crash.
München hat die prickelndste Sportwelt. Die Helden dribbeln für eine Millionengage beim FC Bayern. Mit dem smarten Präsidenten Franz Beckenbauer als Vorarbeiter, lockt der FC Hollywood immer mehr hübsche Mädchen in die Arena. Während früher Fußball reine Männersache war, lösen heute Kicker wie Luca Toni und Franck Ribery bei der holden Weiblichkeit Hysterie aus wie Popstars. Nachts werden die charismatischen Spieler wie ein Oliver Kahn im „P 1“, der patentierten Starletfalle, umgarnt. Kollege Massimo Oddo lernte bei so einem Mondschein-Auswärtsspiel die schöne reiche Wienerin Alina Kastner kennen, Tochter eines Öl-Unternehmers kennen und schätzen
Münchens größte Seilschaft mit gefährlichen Spitzen und Haken führt der jeweilige bayerische Ministerpräsident. Früher war das Edmund Stoiber, der sich so clean gebärdetet, dass der Weiße Riese neben ihm verblasste. Mit Edi mussten auch die Strippenzieher gehen, in erster Linie Freunde in Augenzwinkerhöhe wie Industrieberater Dr. „Wurm“ Elmering (für Stoibers Freizeit zuständig) und Architekt Tom Ferster, dessen Ehefrau besonders korrekt ist. Sie ließ bei ihrer letzten Scheidung sogar einen Schrank in der Mitter auseinandersägen. Horst Seehofer ist von einem anderen Naturell. Von ihm weiß man bereits, dass ein Mann nicht immer nur gerade ausschaut. An Deutschlands Show-Godfather Dr. Leo Kirch, der sich früher diskret im Bogenhausener Hof oder im Gartenrestaurant des Hotels „Bayerischer Hof“ mit Einflussreichen traf, aber jetzt aus gesundheitlichen Gründen nur mehr in seinem Büro Geschäftsbesprechungen absolviert, wird er wohl nicht vorbeikommen. Kirch ist trotz der beschädigenden Attacken der Deutschen Bank immer noch der Kopf von der am weitesten verzweigten Szenepyramide Deutschlands mit der größten Lobby-Power. Der unauffällig handelnde Hardliner zelebriert Al Capone-Treue. Als der Vater von seiner Führungskraft Fred Kogel starb, kam er ans Grab und als der Sohn von Helmut Kohl in der Türkei heiratete, flog er trotz Stress nach Istanbul. Ein rotes Telefon besteht zu Polit-Ass Dr. Peter Gauweiler, einem erklärten Stoiber-Zerstäuber.



