Die ganze Welt rätselt über die überraschende Verhaftung des Meister-Regisseurs, der seit 1970 auch einen Wohnsitz in der Schweiz hat. In Zürich, wo er zum Festival eingeladen worden war,sitzt er jetzt hinter Gittern.
ZÜRICH - Als „Erstausstattung“ erhält Roman Polanski ein Fläschchen Jod,
Heftpflaster und fünf Kondome. Dann gibt es fünf Unterhosen, fünf
Paar Socken und einen Trainingsanzug. Zum Schluss beim „Check-In“ im
relativ freundlichen Bezirksgefängnis Zürich wird ihm ein Foto
hingehalten, wie eine Zelle aufgeräumt aussehen muss. Bei Einhaltung
dieser „Hausordnung“ bekommt er dann als Häftling fünf Franken pro Tag
vergütet, wobei ein Franken davon fürs Fernsehen wieder abgezogen
wird. Seit Samstag befindet sich der weltberühmte Regisseur, von
dem die Kassenhits „Tanz der Vampire“ und „Rosemaries Baby“ stammen,
in Abschiebehaft, was einer strengen U-Haft gleichkommt .
Das bedeutet: Täglich 23 Stunden eingesperrt in einer Einzelzelle mit
dunkelroter Eisentüre ohne Türklinke mit Klappfach fürs Essen und
eine Stunde Hofgang auf schwarzem Asphalt, so groß wie ein Drittel
eines Fußballfelds. Mit diesem „Freiraum“ muss sich der sensible,
hochintelligente Filmemacher in den nächsten Wochen begnügen, bis
Bern , nicht gerade bekannt für ultraschnelle Entscheidungen, den
Entschluss gefasst hat, ob Roman Polanski ausgeliefert wird oder
nicht. Gleichzeitig hat Polanski über seinen französischen Anwalt
Herve Themime bereits die Auslieferung in die USA beim
Bundesstrafgericht in Bellinzona anfechten lassen.
Vielleicht wird in seinem Fall schneller gehandelt und nicht
vorgegangen , wie Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf, zuständig für
Justiz, cool bei der Verhaftung bekannt gab:“ Auch wenn Herr Roman
Polanski ein Herr Müller gewesen wäre, hätten wir ihn eingesperrt“.
Von den vielen Müllers, die tagtäglich am Flughafen verhaftet werden,
wird die Schweizer Politikerin kaum Kenntnis haben. Auf jeden Fall ist
die Verhaftung Polanskis die obskurste aller Zeiten, die „Aktualität“
des jahrzehntelangen Haftbefehls aus dem Jahre 1978 die große Frage.
Die internationale Films-Szene ist entrüstet und schockiert.
Denn: Der Star-Regisseur lebt seit 1970 in der Schweiz und besitzt in
Gstaad ein gemütliches Chalet, in dem ich mal für eine Woche lebte,
kurze Zeit nach dem grauenvollen Mord an seiner Frau Sharon Tate.
Jeden Winter verbringt er dort. Im Sommer reist Roman mit Familie
meist nach Ibiza, wo er ebenfalls seit Jahren ein Haus besitzt. Vor
drei Jahren kam der hauptsächlich in Paris lebende Oscar-Preisträger
zu den Filmfestspielen nach Venedig und in den zurückliegenden Monaten
drehte er in Berlin einen neuen Film. Man hätte schon längst
zuschlagen können.
Der Fall wegen der angeblichen Sex-Affäre mit einer Minderjährigen in
der Villa von Superstar Jack Nicholson liegt dreißig Jahre zurück. Das
sogenannte Opfer, das mit vielen Hollywoodgrößen Kontakt hatte,
verzieh Polanski öffentlich vor Jahren. Eine gedealte Aussage von
Schauspieler-Kollegin Angelica Houston hatte letztlich zu Polanskis
Verurteilung geführt. Roman soll in Wirklichkeit gar nichts mit dem
Mädchen gehabt haben, wohl aber mit der Mutter. Angelica rettete sich
bei einem karrierebewussten Staatsanwalt mit der Anschuldigung, Roman
sei mit der Kleinen im Bett gelegen, vor einem Prozess wegen Koks.
Der Stoff war im Haus von Jack Nicholson gefunden worden. 42 Tage musste
der Regisseur bereits in der Psychatrie in Los Angeles verbüssen,
wo er von Insassen übel mißhandelt wurde, ehe er dann nach Paris
fliehen konnte.
Vielleicht handelte Justizministerin Widmer-Schlumpf, die
ihrem Parteichef Christoph Blocher, dem Franz Josef Strauß der
Schweiz, bei ihrer Wahl zur Bundesrätin in den Rücken fiel, nach dem
Buchstaben des Gesetzes. Es gibt seit 1997 einen Auslieferungsvertrag
zwischen der Schweiz und den USA. Wie es aussieht, wird Polanski wohl
oder übel mehrere Wochen in Schweizer Abschiebehaft sitzen müssen. Es besteht vielleicht die Möglichkeit, auf Kaution vorübergehend freizukommen. Er müsste sich dann einem Hausarrest in seinem Chalet in Gstaad unterziehen.




Sehr guter Artikel, melde Dich mal bei mir hoffe es geht Dir gut,
Franz