KIR ROYAL: Helmut Dietl köpft sein “Baby”

Kult-Regisseur und sein Hauptdarsteller in “Kir Royal” verstehen sich nicht mehr. Die Rolle des Klatschreporters wurde gestrichen.

BERLIN  -  Baby Schimmerlos ist seinen Schimmer los. Die Paraderolle im neuen „Kir Royal“-Film von Helmut Dietl gibt es nicht mehr.

Diese sensationelle Entscheidung fällte gestern der Schöpfer der Gesellschaft-Satire und  verriet sie mir am Telefon. Dietl und sein Hauptdarsteller Franz Xaver Kroetz konnten sich nach längeren Diskussionen  nicht einigen. Kurz vor Drehstart in Berlin musste sich  nun Helmut von seinem bisherigen Baby Schimmerlos trennen, der an einer komplett anderen Anschauung über die Rolle festhielt.

Ziemlich gespreizt gab Kroetz an, dass er „die Aufgabe übernehmen muss, die historische Figur vor ihrem Erzeuger  zu schützen“. Der Baby Schimmerlos   im neuen Film sei  „menschenverachtend und zynisch“. Eine merkwürdige Erkenntnis, denn in den ersten sechs  „Kir Royal“-Folgen hatte Kroetz  schon einen nicht unbedingt zimperlichen Klatschreporter dargestellt. Die  pikante Kult-Serie war mit Pfeffer gewürzt, was den heutigen TV-Serien zu 90 Prozent fehlt.

Der Dietl’sche Schöpfungsakt für einen neuen Film dauert meist fünf Jahre. Es ist jetzt fünf vor zwölf und die Zeit erreicht, dass die erste Klappe für die neue Produktion fällt. Helmut Dietl benötigt allerdings noch immer eine kleine finanzielle Spritze, um die „Kir Royal“-Fortsetzung in  bekannter Qualität in Szene zu setzen. Helmut, dem der geköpfte Kroetz seine schauspielerische Karriere zu verdanken hat, meint gelassen und  ohne Bitterkeit, dass sein „Baby“ schon früher  immer unberechenbar gewesen sei. „Ich konnte unsere Trennung aber  nicht länger verschweigen,  nachdem sich die geschiedene Frau von Kroetz sich in diese Auseinandersetzung mischte“, erklärt Dietl, der seit Wochen zwischen München und Berlin pendelt. „Ich habe jetzt auf die Rolle komplett  verzichtet und bin schon beim Umschreiben des Drehbuchs.“

Vielleicht ist die neue Version mit einem Hero im Film auch besser für den Stoff. Bully Herbig,, bekommt den absoluten Hauptpart des Satire-Streifens, dessen Arbeitstitel vorerst „Berlin, Baby!“ oder „Berlin Mitte“ lauten. „Wie der Film letztlich heißt, wird sich noch zeigen. Aber noch einmal: Ich hätte wirklich gerne dargestellt, wie zwei Medien-Generationen, der alte Society-Kolumnist und der junge Straßenreporter, aufeinanderprallen. Aber es muss nicht sein“, so Monaco-Helmut.

Der Meister-Regisseur und Autor sagt, er akzeptiere  natürlich die Meinung von Kroetz, kann es aber auf keinen Fall zulassen, wie sich sein Akteur die Rolle spielen möchte. „Wir haben da zwei komplett  unterschiedliche Ansichten. Wenn sich Regisseur und Schauspieler nicht verstehen, muss man es lassen.“ Helmut Dietl sieht   in dem neuen Film Berlin mit scharfen „Kir Royal“-Augen und man kann sich schon auf einen lästerhaften Leckerbissen freuen. Neuer Drehbeginn ist jetzt im kommenden Frühjahr am Privatflughafen Schönefeld, wo Max Zettl (Bully) als Chauffeur arbeitet, der später zum Journalisten mutiert. (Kommt in letzter Zeit öfters vor). Dieter Hildebrandt spielt Baby Schimmerlos’s Fotografen, der in seine Heimat nach Berlin zurückkehrt, Senta Berger einen Volksmusik-Star, Harald Schmidt den  schwäbischen Ministerpräsidenten von Mecklenburg Vorpommern und Christoph Süß einen bayrischen Gewerkschaftler. Natürlich wirken auch viele hübsche Mädchen mit. Da ist Helmut Dietl gerade beim Castting. Prickelnde Aufgabe.

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