HELMUT KOHL IST WIEDER DA

Der Ex-Kanzler kann nach seinem schweren Sturz  wieder sprechen,  muß aber vorläufig  noch im Rollstuhl sitzen. Zum Jubiläum des Mauerfalls tritt Helmut erstmals wieder in der Öffentlichkeit auf und lädt seine befreundeten Staatsmänner Gorbi und Bush zu seinem Lieblings-Italiener in Berlin- Grunewald ein.


MÜNCHEN  – Das Blitzlichtgewitter peitscht um sein Gesicht. Helmut Kohl ist wieder zurück. Seit über einem Jahr hat man nichts von ihm gelesen, gesehen oder gehört. Er kam nur mal für ein paar Minuten zu einer Preisverleihung. Zum 20. Jahrestag des Mauerfalls in Berlin erscheint der Ex-Bundeskanzler mit den anderen beiden Vätern der Wiedervereinigung, Michail Gorbatschow und George Bush sen.,  im Friedrichstadtpalast, wo sonst Revuegirls ihre langen Beine werfen. Bis zuletzt war  nicht sicher, ob Kohl überhaupt kommen kann. Ein unglücklicher Sturz im Badezimmer hat ihn außer Gefecht gesetzt. Er zog sich eine schwere Kopfverletzung zu, die motorische und sprachliche Störungen auslöste. Anfangs konnte er gar nicht sprechen und das Laufen fiel ihm so schwer, dass er einen Rollstuhl brauchte. „Wir sind erstaunt, wie sich sein Zustand von Tag zu Tag verbessert und er sich wieder artikulieren kann. Es sieht ganz danach aus, dass er bald wieder auf eigenen Beinen stehen kann,“ sagt ein prominenter Unions-Politiker.

Als Helmut Kohl durch einen Seiteneingang auf die Bühne gebracht wird und das Trio der alten Herren komplett ist, erheben sich die 1800 Ehrengäste von ihren Plätzen und applaudieren. Darunter auch Kanzlerin Angela Merkel, ganz in schwarz und diesmal in einer Nebenrolle, sowie Juliane Weber, in seiner Aera Mädchen für alles. Sein Auftritt ist der bewegendste Höhepunkt der Festveranstaltung. Der im Behindertenstuhl sitzende Kohl, aufopfernd betreut von seiner zweiten Ehefrau Maike Richter, hebt beide Hände zum Gruß, schüttelt Gorbi die Hand und wird von Bush an der Schulter getätschelt. „Ich hab nichts Besseres, stolz zu sein, als auf die Deutsche Einheit stolz zu sein“, sagt Helmut mit langsamen Worten. Er wirkt noch angeschlagen. Das Wasserglas, das man ihm reicht, führt er mit beiden Händen zum Mund. Trotzdem strahlt Kohl, um dunklen Anzug mit goldgelber Krawatte und frischem Haarschnitt, aufkeimende Kraft aus. Wann immer Helmut spricht, herrscht atemlose Stille im Saal. Er erinnert daran, was die glorreichen Drei im Jahr 1989 und 1990 leisteten: „Wir haben sehr viel geschafft, wir haben gewaltig gearbeitet. Heute kann man sagen, ‚Die Deutschen sind vernünftig geworden.“

Bei der Soiree der Emotionen und Erinnerungen wird der CDU-Politiker sogar etwas ironisch: „Mit Gorbatschow war es so, dass von Mal zu Mal die Stimmung besser wurde.“ Anfangs konnten die beiden sich ja überhaupt nicht ausstehen. Der Ex-Kanzler hatte Gorbi 1986 mit dem Nazihetzer und Propaganda-Minister Joseph Goebbels verglichen. Als die Nationalhymne gesungen wird, stehen Bush und Gorbatschow auf und Kohl singt im Sitzen mit. Beim Absingen sticht der Bariton von Dieter Thomas Heck heraus und einigen Anwesenden kommen die Tränen. Helmuts persönliches Verhältnis zu Bush und Gorbatschow bezeichnet er als Glückfall. Es fällt auf, dass er immer wieder die Hände der beiden hält. Ohne George Bush sen., trotz seiner 85 Jahre und am Stock, der agilste des Trios, wäre die deutsche Vereinigung sehr in Frage gestellt gewesen. Er konnte die Widerstände,  vor allem Großbritanniens unter Margaret Thatcher und anfangs auch Frankreichs unter Francois Mitterand, aus dem Weg räumen.

Die Atmosphäre tiefer Emotionen und Dankbarkeit setzt sich beim Abend-Empfang im 19. Stock des Springer-Hochhauses fort, wo im Journalistenclub seit 40 Jahren immer noch der selbe freundliche Kellner bedient. Auch hier wird der Altkanzler mit Standing Ovations begrüßt. Die politischen Schlüsselfiguren sitzen an der langen Tafel mit Gastgeberin Friede Springer, die zur Feier des Tages das Champagnerglas hebt. Gorbi, im Interconti abgestiegen, hat seine attraktive Tochter Irina dabei. Ex-Präsidenten-Ehefrau Barbara Bush nimmt bei dem feinen Abendessen neue Verhältnisse in der Berliner Polit-Szene zur Kenntnis. Sie wird dem neuen Außenminister Guido Westerwelle vorgestellt, der seinen First Boy Michi Mronz mitgebracht hat und sich freut, so prominente Politiker wie Gorbi und Bush gleich zu Beginn seiner Amtszeit kennen zu lernen.

Helmut Kohl lächelt erstmals an dem Abend und seine Augen signalisieren Freude. Er ist schon zwei Tage vorher mit dem Auto, am Steuer sein Fahrer Ecki Seeber, von Ludwigshafen in die Bundeshauptstadt gereist. Sein erster Stopp galt dem italienischen Restaurant „Capriccio“ im Grunewald, wo er sich seine geliebte Tomatensuppe und Penne arrabiata zu Gemüte führte. Am nächsten Abend kam er wieder, diesmal mit Michail Gorbatschow und George Bush. Bei dem ganz privaten Dinner ließen sich die drei großen Männer Nudeln mit Trüffel, Seezunge und Kalbskarree schmecken. Helmut bestellte zusätzlich eine Portion Penne. Man sieht, dass es ihm wieder gut geht bei so einem gesegneten Appetit.

Kommentare (1) zu “HELMUT KOHL IST WIEDER DA”

  1. Ludger Wilp sagt:

    Leider konnte man Helmut Kohl schlecht verstehen. Die Übersetzer haben da wohl ihre Probleme mit gehabt.

    Seine Aussage über den Stolz zeigte, dass ihm das Wohl Deutschlands am Herzen liegt. Kohl regierte Deutschland wie ein König.

    :-)

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