Der Mann im Glaskasten

“Mr. Aktuelle” Toni Montel räumt nach 13 Jahren seinen Chefsessel  im Medien-Vorort Ismaning und wird mit grosser Fete in der “Emeramsmühle” verabschiedet.

MÜNCHEN – Die Innenarchitekten des “Gong”-Verlags im Medien-Vorort Ismaning hatten stets Klarsicht im Auge.Sie verpassten sogar dem Chefredakteurder “Aktuellen” ein Glashaus. Es war so durchsichtig wie ein trockengelegtes Aquarium. Darin sass 13 Jahre lang  Toni Montel,  der jede Woche die Wochenzeitung “Aktuelle” aus einem Guss zauberte, dem Montel-Guss. Als zuletzt der Streit Helmut Dietl/Xaver Kroetz hochkochte, war “Mister Aktuelle” vorne dran wie so oft. Die Dramaturen-Ex lieferte ihm als seine Autorin den Stoff laus dem Magazin-Traeme bestehen. Am Freitag wird der Journalisten-Fuchs in der “St.Emmeransmuehle” offiziell mit einer grossen Party verabschiedet. Der Verlag, neuerdings mit ehemaligen Bauer-Strategen wie Manfred Braun und Will Blok vor Ort, befindet sich auf Verjüngungstrip. Die Dame, die seinen Chefsessel uebernimmt, hat Montel ausgerechnet selbst ins Nest geholt.

Fuer mich sah Toni, der Bub aus Bozen und spaetere Bauingenieur, der im zweiten Bildungsweg bei “Bild” eine Kolumne schrieb und einem “Bild”-Stammtisch vorsass, immer wie Walter Matthau in seiner Parade-Rolle als Chefredakteur in dem Kino-Hit “Extrablatt” aus. Bedingt allein schon durch Montels Chicago-Outfits. Toni traegt immer gestreifte Anzuege und schreiende Krawallten, Weste, Hosentraeger und Al-Capone-Schuhe, frueher von Eduard Meyer. Im Chef-Glaswuerfel war es ein Bild fuer Goetter. Der tägliche Gemuetszustand des journalistischen Vorarbeiters liess sich von weitem erkennen. Toni war milde und hilfsbereit. Letzteres ist in Kollegenkreisen zum Fremdwort geworden. Montel blickt jetzt intensiver in die Sterne und stuerzt sich vermehrt auf die” Astro-Woche”, die er schon immer nebenbei gemacht hat. Die eigene Zukunft hat der grosse Horoskop-Freak selten im Griff gehabt. Trotz Glaskasten.

Kommentare (1) zu “Der Mann im Glaskasten”

  1. Frank Knop sagt:

    Toi! Toi! Toi!

    Bei aller Konkurrenz – was hatten wir für eine
    schöne Zeit, damals in Starnberg.

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