Das exklusive Bordeaux-Weingut “Chateau Petrus” hat jetzt auch einen Rotwein, wo man nicht einen Bausparvertrag auflösen muss.
MÜNCHEN – Münchner Küche, die man in der Stadt schon langsam mit der Lupe suchen muss, wird außerhalb musterhaft zelebriert – im “Sollner Hof” und wie der Name schon sagt, im Stadtteil Solln. Umso überraschender ist es, dass in dem Bauernhof-Restaurant ausgerechnet ein “Preusse” den hohen Standard aufrecht erhält. Wann haben Sie zum letzten Mal Böfflamott oder Kälberfüße gekriegt? Diese Gerichte gehören zu den Selbstverständlichkeiten des liebevoll geführten Hauses, wie auch die simple, aber beliebte Speise Spiegeleier mit Spinat. Zur Zeit gibt es Mai-Scholle – ein Gedicht.
Der umsichtige Wirt, der mit seiner randlosen Brille wie ein junger Richard Dreyfuß aussieht, hört auf den unbayerischen Namen Joachim Sickendiek und führt mit seiner Frau Susanne Heigl schon in vierter Generation das Haus, in dem Schmankerl a la Mama auf den Tisch kommen. Der gastronomische Feingeist hat es geschafft, dass die Sollner schon längst nicht mehr sagen: “Wir gehen zum Heigl” (Name des Familienclans), sondern “zum Sickendiek.” Er selbst stammt aus einer Gastronomen-Familie in Versmold bei Bielefeld, ist Hotelbetriebswirt, Koch und Sommelier und hat früher mal neben Ralf Frenzel bei den grandiosen Bordeaux-Proben von Hardy Rodenstock am Arlberg und auf Schloss Herrenchiemsee mit eingeschenkt.
Das holzgetäfelte Lokal mit seinen 160 Plätzen innen, inklusive eines durch biologische Umstände stets kleiner werdenden Stammtisches, sowie 160 Plätzen im Garten, ist täglich rappelvoll. Viele Münchner, darunter der smarte Fleischexperte Toni Anzenberger, machen gern einen größeren Umwe g, um in der Kachelofen-Gemütlichkeit zu speisen. Staranwalt Steffen Ufer trifft man hier jeden Mittwoch mit Freunden an. Auch für Künstler bedeutet der “Sollner Hof” das zweite Wohnzimmer. Darunter ist der Maler Professor Rupprecht Geiger, der das Kunststück fertig brachte, eine rot gefärbte Leinwand für eine sechsstellige Summe an den Mann zu bringen. Im großen Umfeld des Restaurants wohnen namhafte Zeitgenossen wie Ex-Bertelsmann-Buchvorstand Frank Wössner, Ex-Daimler-Vorstandsvorsitzender Jürgen Schrempp (hat in seiner Villa einen Marmor-Waschplatz für die Hunde), Banknoten-Spezialist Jürgen Nehls, Mercedes-Berater Karl Dersch (kam in unerklärliche Berufs-Kalamitäten wegen der von Hitler verbotenen Reichsflagge, die er von Daimler-Vorstand Werner Niefer überreicht bekam und in seinem Garten wehen ließ), Vegi-Guru Torsten Blüher (“Prinz Myshkin”) und “Sugar”-Chefin Uschi Borsche, die über die bürgerlichen Preise staunen. Der gesamte Strauß- Clan kehrte nach einer FJS-Erinnerungsfeier in der benachbarten Kirche in dem Lokal ein, das in CSU-Kreisen sehr beliebt ist.
Warum es im “Sollner Hof” so gut schmeckt, hängt in erster Linie damit zusammen, dass Perfektionist Sickendiek direkt mit dem Team täglich das Küchenprogramm erarbeitet und auf Qualitäts-Niveau beharrt, indem er sich zum Beispiel Belama-Kartoffel, geschält, aus Dachau bringen lässt und sich das Eis von Patisseur Widmann in Großhadern besorgt, der ein Witzigmann- Schüler war. Auf der Weinkarte verblüfft der Gastronom mit einer Überraschung : “Bordeaux” und “Saint Emilion” zwei Rebensäfte für erstaunliche 6,50 Euro die Flasche, die von Christian Mouiex stammen, dem Besitzer des Granatenweines “Chateau Petrus”, die Flasche um 2200 Euro. Sie schmecken fast so, aber nur fast.




