Zuckerschlecken – das “Sugar” ist wieder da

Legendäre Münchner Disco, Anziehungspunkt der “Stones” und “Queen”, erlebt ein Comeback im neuen Gewand – für 1,8 Millionen Euro und einer neuen Nachtkönigin.

MÜNCHEN  -  In der Herzogspitalstraße Nummer 6 gab s schon immer was zu naschen. Sugar Shack (Zucker-Hütte) hieß für zwei Jahrzehnte das Losungswort. Dann kam “Mia”, das nach kurzem Aufbäumen mit Katzengejammer wieder einging. Jetzt hat eine Dame die legendäre Adresse an sich gezogen und wird als neue First Lady der Münchner Nächte das Zepter schwingen. Brigitte Stock, Erfinderin des Why Not oder Edith Schmid, ihre Nachfolgerin, waren gestern, Uschi Borsche ist jetzt am Drücker.

Die rothaarige Uschi eröffnet heute abend das neue Sugar, auf das Shack hat sie verzichtet. Es ist ein vornehmes Dancing, in dem neben der aktuellen Ausgehwelt auch Sugar Babies und Daddies mit fortgeschrittener Lutsch-Leidenschaft ein neues Domizil finden sollen. 1,8 Millionen Euro hat sie in den dreietagigen Club investiert. Man kann dort auch essen und die Angebetete zu jeder Nachtstunde mit Kaviar, persisch, großes Korn, verwöhnen, bevor es losgeht. Küchenchef Robert Koszmar, früher im Tantris und bei Käfer am Herd, lockt außerdem mit saftigen New Yorker Steaks, Flammkuchen mit Trüffel und angeblich der besten Currywurst der Stadt. Nur Donnerstag, Freitag, Samstag ist das neue Sugar als Disco in Betrieb, an den anderen Tagen dient die Lokalität als Schauplatz für besondere Events.

Es gibt drei Bars, an denen klassische Cocktails serviert werden sowie Red Bull für 6.50 Euro, die Flasche Moet Champagner für 90 Euro oder Augustiner-Edelstoff in kleinen, niedlichen Flaschen für 4.50 Euro. Dem Sugar, praktisch Huckepack am rückwärtigen Teil der Pracht- “Augustiner-Gaststätte” in der Neuhauser Straße dran, hat Architekt Günther Partenfelder ein edles Innenleben verpasst. Massive Eichenböden durchziehen sämtliche Räumlichkeiten.

Die gelernte Make-up-Artistin Uschi Borsche, die seit 25 Jahren eine erfolgreiche Werbeagentur betreibt, früher mal beim Saarländischen Rundfunk in Saarbrücken arbeitete und dort mit dem Lokal “Oldtimer “erste gastronomische Gehversuche wagte, hat sich mit dem nächtlichen  Zuckerstück eine neue Arbeit gekauft. Ich mache es aus Lust und habe herausgefunden, dass dem Großteil der Münchner Nachtschwärmer eine ideale Ausgeh-Adresse fehlt. Entweder gibt es nur Clubs mit extrem unterschiedlichen Zielgruppen für Kids oder Oldies, sagt die Schwiegertochter von Filmstar Dieter Borsche, die von seinem Sohn Kay freundlich geschieden und Mutter einer Tochter ist.

Selbst das Chambre Separee des früheren Langzeit-Betreibers Kurt Müller hat sie in ihren neuen Club mit einbezogen. Dort empfing einst Mondschein-Ikone Kurti, der einen starken Sehfehler hatte, aber viel Gefühl für das nahe Liegende, die Gruppe Queen mit Freddie Mercury, die immer am Wochenende von London nach München jettete oder die Rolling Stones, Uschi Obermaier inklusive. Alle waren heiß auf seine 6000 Watt-Anlage. Müller, der stets von einem baumlangen Mehrzweck-Leibwächter begleitet wurde, sah zwar extrem schlecht, hörte dafür aber extrem gut. Der sensationelle Sound des Sugar Shack zog querfeldbeet die internationale Musikszene an. In einer Zeit, als ein Autotelefon noch 16500 Mark kostete, kamen Brian Ferry, Status Quo, Robert Palmer, Frank Zappa, aber auch Roy Black, Udo Lindenberg, Georg Danzer und Udo Jürgens, dessen Manager Freddy Burger, Großgastronom in Zürich und Herr im Hause FIFA, übrigens mit 30 Prozent am neuen Sugar beteiligt ist. Wenn Udo Jürgens von seiner Musical-Jubiläumsfeier in Hamburg noch rechtzeitig wegkommt, will er beim heutigen Opening erscheinen. Auf die früher sehr beliebte “Hausandacht “wird Uschi Borsche wohl verzichten, wenn sie überhaupt von dieser sonntagmorgendlichen Spezialiät Bescheid weiß. Sonntags war das Sugar Shack bis zwölf Uhr mittags geöffnet. Man konnte praktisch nach der Frühmesse noch mal vorbeischauen. Im Herren-Waschraum verhalf einem ein jugendliches Toiletten-Girl für 50 Mark Honorar zu einen entspannten schönen Sonntag.

Weltprominenz tummelte sich auf Hausnummer 6 auch vor der Suger Shack -Ära. Damals hieß das Lokal noch Moulin Rouge, ein Striptempel, in dem Rock-König Elvis Presley ein paar Mal auftauchte. Er kam aus Frankfurt, wo er in der Nähe bei der US-Army stationiert war. Presley schien ganz heiß – so erinnert sich die ehemalige Bardame Inge Brandenstein, heute 77 Lenze alt – auf die Wäschemodenschau um halb eins und halb drei zu sein, bestellte meist Whisky on the Rocks und musste nie was zahlen. Eines Abends beeindruckte ihn Animierdame Angelika wegen ihrer Bombenfigur. Nach der Polizeistunde entführte er sie in das Hotel Bayerischer Hof.

Um einige Jahre später den Pächterwechsel im Moulin Rouge hervorzuheben, engagierte der damalige Betreiber Walter Staudinger den raumfüllenden Fellini-Star Anita Ekberg. Die Dolce-Vita -Amazone war für eine Woche im Evaskostüm die Attraktion. Bei der Premiere tanzte Hausherr Staudinger mit der Diva und versank in ihren drei Ster Holz vor der Hüttn.

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