Wo ist das gute Buch?

Auf der Frankfurter Buchmesse war der Markt irritiert. Auf den Festen und Festchen fand der Tanz um das goldene Buch statt – Lübbe feierte Jubiläum

Frankfurt – Obwohl es sich um eine Buchmesse handelte, kam keiner zum Lesen (ausser Speisekarten). Neben der grassierenden Epidemie von Gebundenem von Autoren, die nicht schreiben können, für Käufer, die nicht lesen können, und das im Dutzendpack gekauft wurde wie ein Satz Aschenbecher, lag auf dem Frankfurter Literaturmarkt 2003, schon noch das Lesegut im üblichen Sinn parat. Der Tanz um das goldene Buch fand, wie jedes Jahr, in erster Linie auf dem Society-Parkett bei Festen und Festchen auf etablierten Spielwiesen der führenden Hotels, in Büroräumen (weil viele Verlage in Frankfurt sitzen) oder neuen, eigenwilligen Locations statt. Trotz aller Sparwelle war es bei diesem Bücher-Sechstage-Rennen noch möglich, sich zum Nulltarif ins Koma gleiten zu lassen. Für manche Neuerscheinung ein nötiger Treibstoff.

Der Bertelsmann-Verlag stellte seine Präsenzflamme etwas kleiner und wechselte den Schauplatz. Das elitäre Shakehands mit Reinhard oder Liz Mohn war einmal. Die Bücherfirma Ullstein-Heyne-List, die an den schwedischen Verlagsriesen Bonnier verkauft werden soll, bestellte ihre "First Class" in den "Hessischen Hof" und die etwas gestreuteren Gäste in den Traditions-Musikclub "Sinkkasten" zur Buchpremiere des 6 Kilo schweren "Rollings Stones"-Schinkens "Sturfucker". Fischer, Unseld und Rowohlt feierten "daheim", Eichborn, wo führende Verlagsstrategen mit Rucksack auf der Messe gesichtet wurden, verwöhnte mit festlichen Rippchen und Kraut im "Südbahnhof".

Mit Partyglanz brillierte, wg. 50jährigen Verlagsbestehens -der Auflagen-Riese "Lübbe", angeführt von der gleichnamigen Besitzerfamilie, dem Denver-Clan aus Bergisch-Gladbach. Nachdem der Gründer und Patriarch, Gustav Lübbe, ein Nachkriegs-Großunternehmer vom Schlage Grundig oder Otto, das Zeitliche segnete, übernahm der toughe Sohn Stefan das Ruder der vielfältigen Bücherburg (15 Mio. Hardcover, 300 Mio. Taschenbücher, 2 Mio. Hörbücher, 3 Milliarden Romanhefte und eine Milliarde Rätsel). Der aktuelle Top-Star von Lübbe ist der englische Weltbestseller-Autor Ken Follett, der an dem Jubiläumsabend mit einem anderen Talent überraschte. Follett, mit gegelter Igelfrisur und Jeans, heizte mit seinem Quartett "Damn Right I've Got the Blues" (mit Junior Emanuele an der Leadgitarre) die Lofts der Frankfurter "Union Halle" mit heißem Rock auf. Jeder tanzte mit, selbst die Verlagspatriarchin Ursula (im grünen Jäckchen im Asia-Look) wirbelte über die Tanzfläche, mal mit Wolf von Lojewski, mal mit Heiko Engelkes. An ihrer Hand blitzte ein neues Schmuckstück.

Beim Lübbe-Dinner zuvor im "Frankfurter Hof" für 60 Gäste, darunter Hardy Krüger mit Frau Anita, Michael Lesch mit Frau Christina, Rolls Royce-Freak Phlipp Vandenberg (neues Buch: "Die Akte Golgatha"), Angelica Domröse, "Leute heute"-Animateurin Nina Ruge, TV-Journalistin Maria von Welser, Ephraim Kishon mit neuer Frau Lisa, Schauspieler Martin May und FAZ-Stratege Frank Schirrmacher, hatte sie ihr Sohn Stefan mit dem aus Weißgold und Brillianten gefertigten "Gustav-Lübbe-Ring" überrascht, der ab jetzt wieder regelmäßig an Personen vergeben wird, die sich um die Pflege des geschriebenen Worts verdient gemacht haben.

Hardy Krügers adrette Frau stand im Kreis von Lübbe-Geschäftsführer Karlheinz Jungbeck und Marketing-Messalina Barbara Fischer, zeigte sich stolz wegen ihres Buch-Debüts "Der Hai, der Hummer und ich" und bekam große Augen, als sie dem legendären Horror-Serien-Autor Helmut Rellergerd gegenüberstand. Er schreibt jede Woche eine neue "Jason Dark"-Geschichte und hat es bisher zu einer Auflagenhöhe von 250 Millionen gebracht. Noch immer tippt der Horror-Inszenator im Dach-Juchhe eines Reihenhauses in Bergisch-Gladbach seine Storys auf der Schreibmaschine und freut sich, wenn bei dem Wort "Tod" das "o" auf dem Papier durchschlägt. Auch der Erfinder der weltberühmten "Jerry Cotton"-Romane kreuzte auf und bat wieder mal in aller Diskretion, seinen Namen nicht zu nennen. Den Gefallen tun wir ihm gerne. Bis dato kennt "Mister X" sowieso niemand.

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